Archiv für den Autor: Markus

Chile

Chile 1931

Pedro Opazo Letelier 1931:

Pedro Opaso Letelier [Attribution 3.0 Chile] Attribution: Biblioteca del Congreso Nacional http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pedro_Opaso_Letelier.jpg

Nach dem Rücktritt von Ibáñez wird der Senatspräsident Interimspräsident. Er übt das Amt keine 24 Stunden aus. Innerhalb dieser übergibt er an einen Mann der für fähiger gilt die sozialistische Revolution aufzuhalten.

Opazo bleibt, mit kurzer Unterbrechung (sozialistische Republik) bis 1944 Senatspräsident.

Chile

Chile 1931

Manuel Trucco Franzani 1931:Manuel Trucco Franzani

Dieser war ein Universitätsprofessor und wird als Vorsitzender der Radikalen Partei Innenminister unter Montero. Die Radikale Partei würde man in anderen Ländern sozialdemokratisch nennen. In ihrer langen Geschichte wechselt sie so oft die Seiten, dass der Opportunismus die einzige Konstante ist. Manuel ist nur Interimspräsident, seine Aufgabe ist es bis zu den Wahlen die sozialistische Revolution zu verhindern.

Als Liberaler will Trucco die Wirtschaftskrise über die Reduzierung der Staatsausgaben lösen. Sämtlichen Staatsangestellten, inklusive der Soldaten, wird 30% des Gehalts gestrichen. Sein Vorgänger hatte die Gehälter schon um 10% gesenkt. Und das in Zeiten von Inflation und mit radikalen sozialistischen Parteien im Land die durchaus Einfluss auf weite Teile der Bevölkerung und auch der Armee haben. Es kommt zur Meuterei bei der Marine. Die Soldaten fordern die Rücknahme der Gehaltskürzungen, eine Landreform und die Enteignung sämtlichen privaten Geldvermögens über einer Million US-$ zur Begleichung des Haushaltsdefizits. Trucco lächelt leider nicht nett und kommt den Forderungen nach, sondern schickt loyale Einheiten der Armee zur Bekämpfung. Diese Einheiten werden kommandiert von Mitgliedern der NSDAP (Chile hat eine relativ große deutsche Minderheit und innerhalb dieser ist die Nazipartei sehr beliebt) und der „Vereinigung der Freunde Deutschlands“ (AAA). Die sozialistischen Soldaten werden von der See, von Land und aus der Luft bombardiert. Nun geben die Meuterer auf und werden festgenommen. Im Zuge der Sozialistischen Junta werden sie amnestiert und bleiben auch infolge in Freiheit.

Später werden aus der UP Allendes heraus diese Ereignisse als „größte Chance zur Revolution in der Zwischenkriegszeit, die aufgrund fehlender Koordinierung zwischen Arbeiterschaft und Armee vertan wurde“ bezeichnet werden. In Großbritannien kommt es zeitgleich ebenfalls zu einer Meuterei bei der Marine, die ebenfalls das Ziel hat Gehaltskürzungen rückgängig zu machen. Dort geht die Regierung auf die Forderung ein.

Trotz dieser Ereignisse werden Wahlen abgehalten, die nicht als fair bezeichnet werden können.

Trucco wird später Botschafter in der USA und kurz vor seinem Tod Chef der Zentralbank. Er stirbt 1954.

Chile

Chile 1931 – 1932

Juan Esteban Montero Rodríguez 1931 – 1932:

Juan Esteban Montero [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juan_Esteban_Montero.jpg

Diesmal richtig. Montero gewinnt die Wahlen mit 60 % der Stimmen. Nun könnte er etwas vernünftiges tun, macht er aber nicht. Die soziale Katastrophe will er durch freiwillige Spenden lösen. Derweil hungert das Volk. An Weihnachten kommt es zum kommunistischen Aufstand. Montero reagiert mit unnachgiebiger Härte, er lässt den Sitz der Kommunistischen Partei stürmen und jeden der sich dort aufhält töten. Damit verliert er das Vertrauen der Bevölkerung. Und das Militär um Ibáñez und die Konservativen um Alessandri versuchen an die Macht zu kommen. Montero kündigt ein linksgerichtetes Programm an. Marmaduque Grove Vallejo, Kommandant der Luftwaffe, startet einen Putschversuch und übernimmt eine Airbase. Als er von Montero abgesetzt wird, stellt sich das Militär auf die Seite von Grove und Montero muss zurücktreten. Eine Junta übernimmt und ruft die Sozialistische Republik Chile aus.

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Chile 1932

Carlos Dávila Espinoza 1932:

Dies ist ein Ziehkind von Ibáñez, allerdings kein Militär, sondern ein Journalist und Mitglied der Radikalen Partei. Unter Ibáñez Präsidentschaft war er Botschafter in den USA. Nun könnte man natürlich vermuten, wer hinter der Vertreibung der Linken aus der Junta steht. Die neue Junta setzt sich aus den faschistischen Kräften hinter Carlos und liberalen Kräften zusammen. Carlos wird 100 Tage herrschen, schon bald verlassen die liberalen Kräfte die Junta, da Carlos die Planwirtschaft beibehält. Dies ist allerdings angesichts der anhaltenden Krise auch sinnvoll. Den US-Amerikanern ist erstmal nur wichtig, dass nichts verstaatlicht oder mit anderen Worten ihnen weggenommen wird. Carlos ruft das Kriegsrecht im Land aus, dies trifft natürlich wieder mal die Linken.

Die liberalen Kräfte sammeln sich außerhalb der Regierung und es kommt am 13. September, zwei Tage zu spät, zum nächsten Putsch.

Chile

Chile 1932

Abraham Oyanedel Urrutia 1932:

Dies ist eine Ikone aus dem Umsturz vom 1891. Danach studierte er Jura und 1927 wurde er vorsitzender Richter des höchsten Gerichts. Als solcher beruft ihn der General zum Vizepräsidenten und tritt dann zurück, nun ist Abraham “legal” Präsident. Dieses pseudo-legalistische Verhalten in Lateinamerika ist schon putzig und erinnert an ein ähnlich dämliches Verhalten in Deutschland zur gleichen Zeit.

Abrahams einzige Aufgabe ist es die Wahlen zu organisieren. Chancengleichheit zwischen den einzelnen Parteien gibt es natürlich nicht und die Verfolgung der Linken hält an. So gewinnt Alessandri die Wahlen. An ihn übergibt Abraham die Macht.

Chile

Chile 1938 – 1941

Pedro Aguirre Cerda 1938 – 1941:

Pedro Aguirre Cerda 1938 [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pedro_Aguirre_Cerda_1938.jpg

Er erringt für die Volksfront die Macht. Die Volksfront wird bis in die fünfziger Jahre Bestand haben. Aguirre ist kein Linker, sondern zunächst Katholik wird dann zum Freimaurer und tritt der Radikalen Partei bei. 1918 ist er Justiz- und Schulminister und verbessert das Grundschulsystem. Später als Innenminister ist er verantwortlich für die Niederschlagung von Aufständen und muss zurücktreten. Unter Ibáñez flieht er nach Europa.

Später ist er gegen jede Zusammenarbeit mit den Kommunisten, wird aber Vorsitzenden der Radikalen Partei und als solcher auch Kandidat der Volksfront. Die Linken können sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und so gewinnt der Radikale die Abstimmung innerhalb der Volksfront. Die Volksfront gewinnt die Wahl gegen die nicht eliminierten Faschisten denkbar knapp mit nicht einmal 51% der Stimmen. Kurz danach gibt es ein Erdbeben, das die Stadt Chillán fast vollständig zerstört.

1939 wird auf Betreiben Pablo Nerudas 2200 Republikanern aus Spanien Exil gewährt. Es wird die freie Schulbildung eingeführt und durch den Neubau von Tausenden Schulen durchgesetzt. Auch wird eine Alphabetisierungskampagne durchgeführt und öffentliche Bibliotheken eingerichtet. Zudem wird der Besuch von Museen kostenfrei. Weiteres wesentliches Ziel der Regierung ist die Industrialisierung. Der Bergbau wird verstaatlicht und staatliche Unternehmen für Öl, Energie, Stahl und Zucker gegründet. Die sozialen Unruhen gehen zurück. Ibáñez versucht einen Putsch aber er scheitert.

Nun erkrankt Aguirre an Lungentuberkulose und stirbt.

Chile

Chile 1946

Juan Antonio Iribarren 1946:

Da kein Kandidat bei den Wahlen die absolute Mehrheit erringen konnte, muss der Kandidat mit den meisten Stimmen durch den Kongress bestätigt werden, bis das passieren kann, übernimmt Iribarren die Geschäfte. Anscheinend macht er nichts anderes als die Kongressentscheidung herbeizuführen.

Chile

Chile 1952 – 1958

Carlos Ibáñez del Campo 1952 – 1958:

Carlos Ibanez [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carlos_Ibanez.jpg

Dieser Mensch sollte im Guinness Buch stehen für den General, der am häufigsten gepuscht hat, immerhin ja auch dreimal erfolgreich. Allerdings wird er tatsächlich 1952 zum Präsidenten gewählt. Und sein Vorgänger hatte eigentlich schon alles gemacht (siehe dort: KZ und Kommunistenverfolgung), aber privatisieren wollte er nicht. Daher brauchen die USA für ihre geplante Weltentwicklung jemanden, der das Land ruiniert. Dazu eignet sich der faschistische gealterte General gut. Und die Linke kann es nicht verhindert, da sie entweder opportunistisch, eingesperrt oder eliminiert ist. Also wird privatisiert und der chilenischen Wirtschaft das genommen, was die letzten Jahre Basis für den Aufschwung war, die staatlichen Unternehmen. Folge, das Geld wird im Ausland verdient und Chile ist eines der wenigen Länder, in dem es in den fünfziger Jahren kein “Wirtschaftswunder” gibt. Dazu betreibt Ibáñez eine harte Verfolgung von Homosexuellen. Überraschenderweise werden die KP und die PS legalisiert und sie schließen sich zur Unidad Popular (UP) zusammen. Allende tritt somit 1958 erstmals an.

Der General übergibt das Amt an seinen gewählten Nachfolger und putscht tatsächlich nicht mehr, sondern stirbt zu recht aber zu spät 1960.

Chile

Chile 1964 – 1970

Eduardo Frei Montalva 1964 – 1970:

FreiMontalva [GNU Free Documentation License] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:FreiMontalva.jpg

Dies ist der erste Christdemokrat als Präsident, was zeigt dass Chile nicht Italien ist.

Die chilenische Gesellschaft steckt im Klassenkampf, die Linken wollen zurück zur Staatswirtschaft und haben viel Unterstützung, da in Chile die Zeit der Staatsunternehmen die reichste Zeit war.

Der Kampf der Linken ist vor allem gewerkschaftlich geprägt. Die Bergleute und die kleinen und landlosen Bauern sorgen für große Demonstrationen und Streiks. Frei reagiert hierauf einerseits mit Gewalt und andererseits mit leichten Zugeständnissen. Die Gewalt äußert sich in harter Polizeigewalt und auch dem Einsatz des Militärs gegen Arbeiter der Kupferminen. Die Zugeständnisse sind die Verstaatlichung einiger Minen, sowie der Ankündigung einer Landreform. Die Landreform hat einen kärglichen Umfang und selbst dieser wird durch bürokratischen Widerstand kaum umgesetzt. Dass nebenbei auch Krankenhäuser und Sozialwohnungen gebaut, sowie eine Unfallversicherung eingeführt werden, wird ihm kaum zugute gehalten. Schließlich bleiben von den 15 Mio. Chilenen 2 Mio. obdachlos und die Mehrheit der Bevölkerung ohne jeglichen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung.

Zwischen 1966 und 1970 gibt es in Chile kein Wirtschaftswachstum, dafür verdoppeln sich die Preise auf Lebensmittel und Wohnraum. Der soziale Wohnungsbau unter Frei kann also weder die Obdachlosigkeit reduzieren, noch sorgt er für bezahlbaren Wohnraum. Die steigenden Lebensmittelpreise verschlimmern die Ernährungssituation der Chilenen. 1970 sind 50% der Kinder unter 15 Jahren unterernährt, mehr als die Hälfte der Beschäftigten bezieht Löhne, die nicht ausreichen um die grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen.

Die Linken nehmen seine lächerlichen Reformen zurecht nicht ernst und die Rechten halten sie für den Beginn der kommunistischen Revolution.

Die Wahl 1970 verliert Frei an die Linken. Er geht in die Opposition aus Angst vor der roten Diktatur. Nach dem Putsch unterstützt er Pinochet und verteidigt den Putsch als notwendig um die kommunistische Revolution zu verhindern. In einem Brief an die Internationale leugnet er die Gräueltaten. Auch er stützt die Verfassung von 1980 und stirbt 1982 unter mysteriösen Umständen.

Sein Sohn, der der erste Präsident nach Pinochet sein wird, hat mittlerweile Strafanzeige wegen Mordes eingereicht. Mir ist es aber wurscht, ob sich Pack beim Streit über die Beute gegenseitig umbringt.