Kategorie-Archiv: Chile

Chile

Chile 1925

Pedro Pablo Dartnell Encina 1925:

Dieser General kommt durch einen Putsch gegen die Septemberputschisten an die Macht. Er ist für vier Tage im Januar provisorischer Präsident und beruft dann eine Junta ein, die die Zeit überbrücken soll, bis Alessandri aus dem italienischen Exil zurück ist.

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Chile 1925

Emilio Bello Codecido 1925:

Emilio Bello [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Emilio_Bello.jpg

Bevor Alessandri aus dem faschistischen Italien zurückgekehrt ist, herrscht noch zwei Monate die „Januarjunta“ unter Bello. Das ist nicht der Hund von Alessandri (der heißt Ulk), sondern der Vorzeigerechte Chiles. Seine Aufgabe ist die Rückkehr zur Demokratie im Sinne der Faschisten zu vollziehen.

Die Verfassung, die Alessandri durchbringen soll, wird während der zwei Monate schon ausgearbeitet und Kommunisten und Gewerkschaften stehen massiv dagegen, da sie als pseudodemokratische Kulisse für die Herrschaft des Militärs und Ibáñez erkannt wird.

Anders als Alessandri schafft es Bello, sich auch unter der offenen Herrschaft von Ibáñez zu behaupten. Er wird Minister unter Ibáñez und während Alessandris dritter Amtszeit Botschafter.

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Chile 1925

Arturo Alessandri Palma 1925:

Alessandri Ulk (1932) [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alessandri_Ulk_%281932%29.jpg

Er wird zurückgeholt um dem Putsch einen legalen Anschein zu geben. Dies ist notwendig, da die Kämpfe in Chile weitergehen. Noch hat das Militär die Linken und Aufständischen nicht wirklich dezimiert. Leider kommt es nicht zu einem Sieg der Linken und damit zum Aufbau einer Räterepublik, da die linken Kräfte zu schwach und unorganisiert sind. In der Provinz Antofagasta kommt es zu einem Streik der Minenarbeiter. Während des Streiks wird der britische Besitzer der Mine, der bekannt dafür ist die Arbeiter zu schlagen, Tod aufgefunden. Ein bolivischer Arbeiter wird des Mordes verdächtigt und durch die Polizei ohne Prozess hingerichtet. Daraufhin geht die Gewerkschaftsführung davon aus, dass weitere Repressionen drohen und sie treffen Vorkehrungsmaßnahmen. So werden die Eisenbahnschienen gesprengt um die Ankunft von Soldaten und Streikbrechern zu verhindern. Es kommen trotzdem 40 Soldaten. Diese werden mit Dynamit beschmissen und ihnen ihre Gewehre abgenommen. Nun wird der ganze Ort bewaffnet. Die Arbeiter bilden einen Rat und diskutieren ob sie sich ergeben oder mit anderen Arbeitern der Region zusammenschließen und die Revolution beginnen sollen. Bevor eine Entscheidung gefallen ist, kommt eine zweite Division und stellt mitten in der Nacht Maschinengewehre im Ort auf und tötet jeden den sie vor den Lauf bekommen, darunter auch Kinder. Die Arbeiter verteidigen sich und können 64 Soldaten töten. Wie viele von den Ortsbewohnern sterben, ist unklar, es wird von mindestens 500 Toten ausgegangen. Wer überlebt flieht in die Berge. Dort kommt es zwei Monate später zu einem weiteren Massaker.

Arturo arbeitet eine neue Verfassung aus. Die Verfassung setzt den Präsidenten über das Parlament und setzt damit die Abschaffung der Demokratie rechtlich um. Gleichzeitig wird eine Zentralbank errichtet. Parallel versucht Arturo die Wirtschaft anzukurbeln, in dem er eine Laissez faire Politik des Liberalismus betreibt, heute würde man das Neoliberalismus nennen. Das kann in einer Krisensituation, die durch ein Phänomen außerhalb Chiles (Kunstdünger) ausgelöst wurde nicht funktionieren. Daher droht im Frühling (Südhalbkugel) ein neuer Putsch, dem Arturo mit seinem Rücktritt zuvor kommt. Er wird noch einmal Präsident werden.

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Chile 1925

Luis Barros Borgoño 1925:

Barros Borgoño [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Barros_Borgo%C3%B1o.jpeg

Er ist Vizepräsident als Alessandri zum zweiten Mal zurücktritt und wird daher Präsident. Er war in einigen vorherigen Kabinetten Minister und ist ein Urgestein der Konservativen Partei. Im Jahr 1920 ist er der Gegenkandidat von Alessandri, verliert dort aber knapp. Das sie nun zusammen in der Regierung sitzen zeigt, dass die politischen Unterschiede zwischen Ihnen marginal sind.

In den zwei Monaten seiner Amtszeit hat er keine Macht, diese liegt, wie im Jahre 1925 immer, bei dem Militär. Hier sitzen die Verantwortlichen für die Massaker und die Abschaffung der Demokratie. Dennoch folgt zunächst ein gewählter Präsident.

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Chile 1925 – 1927

Emiliano Figueroa Larraín 1925 – 1927:

Emiliano Figueroa (ropa Embajador) [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Emiliano_Figueroa_%28ropa_Embajador%29.jpeg

Ihn hatten wir schon mal als Interimspräsidenten. Jetzt ist er „gewählt“ und Ibáñez’ letzte Marionette. Ibáñez ist natürlich weiterhin Kriegsminister, Anfang 1927 wird er auch noch zum Innenminister ernannt. Daraufhin wird Figueroas Bruder, der Obersten Richter auf Veranlassung von Ibáñez verhaftet.

Außerdem zettelt Ibáñez um die öffentliche Ordnung zu erhalten Pogrome gegen Gewerkschaften und Kommunisten an. Tausende Linke werden verhaftet und viele ermordet. Aber auch innerhalb des bürgerlichen Spektrums werden Säuberungsaktionen durchgeführt. Einige Radikale werden verhaftet, manche sogar ermordet. Andere schaffen die Flucht, so auch Alessandri.

Die Lage ist heikel. Die Linken sind stark und die wirtschaftliche Entwicklung unsicher. Deshalb hält es Ibáñez wohl für besser selbst sämtliche relevanten Ämter (Präsident, Chef der Armee und Innenminister) zu übernehmen.

Figueroa wird von Ibáñez immer weiter zurückgedrängt und tritt schließlich zurück. Er wird soweit zurückgedrängt, dass er sich 1928 nicht mal mehr in Chile befindet. Er wird Botschafter in Peru. Kurz vor seinem Tod wird Figueroa noch kurz Präsident der Zentralbank.

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Chile 1927 – 1931

Carlos Ibáñez del Campo 1927 – 1931:

Carlos Ibanez del Campo [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carlos_Ibanez_del_Campo.jpg

Da haben wir ihn nun, den Sieger des Putsches. Er war in der Armee nur ein relativ kleines Licht, Leiter einer Schule. Diese Schule spielt aber die entscheidende Rolle bei der Besetzung des Präsidentenpalastes und Carlos wird zum mächtigsten Mann Chiles und sorgt für die neue Verfassung und zunächst die Entmachtung und dann die Liquidation der Linken. Trotzdem nerven ihn die gewählten Volksvertreter und so drängt er erst Alessandri und dann Figueroa aus dem Amt. Nun wird er über die Vizepräsidentenregel zum Präsidenten.

In dieser Zeit kommt es zu einer völligen Überbewertung sämtlicher Wertpapiere und sonstigen handelbaren Gütern in den USA. Dies führt zu einem unglaublichem Reichtum auf Pump. Auch Chile kann hiervon profitieren. Die Wirtschaft funktioniert zwar nicht, aber es gibt einige, die mit Geld herumschmeißen können, daher fällt auch für andere etwas ab. Dies und die vorherigen Liquidationen führen zu einer Beruhigung der Lage in Chile. Carlos kann ein bisschen gestalten, gründet die Luftwaffe und eine Fluglinie. Er baut aber weder eine stabile Wirtschaft noch ein Sozialsystem auf. Daher trifft der Zusammenbruch aller Werte (1929) Chile besonders hart. Mit einem Schlag geht nichts mehr. Die Linken sind wieder da und machen (zu recht) Carlos verantwortlich. Ein Generalstreik wird ausgerufen und Carlos muss 1931 zurücktreten und ins Exil fliehen.

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Chile 1931

Pedro Opazo Letelier 1931:

Pedro Opaso Letelier [Attribution 3.0 Chile] Attribution: Biblioteca del Congreso Nacional http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pedro_Opaso_Letelier.jpg

Nach dem Rücktritt von Ibáñez wird der Senatspräsident Interimspräsident. Er übt das Amt keine 24 Stunden aus. Innerhalb dieser übergibt er an einen Mann der für fähiger gilt die sozialistische Revolution aufzuhalten.

Opazo bleibt, mit kurzer Unterbrechung (sozialistische Republik) bis 1944 Senatspräsident.

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Chile 1931

Juan Esteban Montero Rodríguez 1931:

Juan Esteban Montero [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juan_Esteban_Montero.jpg

Montero war Vorsitzender der Verfassungskommission 1925. Er ist also geeignet auch 1931 noch einmal Lückenbüßer zu spielen. Es herrscht großes Chaos in der Weltwirtschaftskrise. Viele provisorische Präsidenten folgen aufeinander. Die Krise trifft Chile besonders hart, weil im Laufe der 20er mit Nordrhodesien ein starker Konkurrent auf dem Kupfermarkt aufgekommen ist. Der Preisfall ist deshalb bei Kupfer besonders stark. Die US-Amerikaner versuchen ihre Minen durch Drosselung der Produktion (in Nordrhodesien und Kanada) zu schützen, jedoch lassen sich weder die Kanadier noch die Briten dazu überreden ihre Produktion zur Hilfe der US-Amerikaner zurückzufahren und sichern sich stattdessen durch die Krise ihren Platz am Weltmarkt. Opfer ist Chile. Die Investoren aus den USA bringen ihr Kapital in Sicherheit und Chile bleibt zerrüttet zurück. Es kommt zu Unruhen und die sozialistische Revolution ist nah. Die chilenische Elite hat außer Repression den Aufständischen nichts entgegenzusetzen.

Montero will in dieser Situation den Anschein an Demokratie wahren, für die er als „Verfassungspräsident“ steht. Er tritt zurück und benennt den Innenminister Trucco zum Präsidenten bis zur Wahl, bei der er gewinnen und so 3 Monate später wieder Präsident wird.

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Chile 1931

Manuel Trucco Franzani 1931:Manuel Trucco Franzani

Dieser war ein Universitätsprofessor und wird als Vorsitzender der Radikalen Partei Innenminister unter Montero. Die Radikale Partei würde man in anderen Ländern sozialdemokratisch nennen. In ihrer langen Geschichte wechselt sie so oft die Seiten, dass der Opportunismus die einzige Konstante ist. Manuel ist nur Interimspräsident, seine Aufgabe ist es bis zu den Wahlen die sozialistische Revolution zu verhindern.

Als Liberaler will Trucco die Wirtschaftskrise über die Reduzierung der Staatsausgaben lösen. Sämtlichen Staatsangestellten, inklusive der Soldaten, wird 30% des Gehalts gestrichen. Sein Vorgänger hatte die Gehälter schon um 10% gesenkt. Und das in Zeiten von Inflation und mit radikalen sozialistischen Parteien im Land die durchaus Einfluss auf weite Teile der Bevölkerung und auch der Armee haben. Es kommt zur Meuterei bei der Marine. Die Soldaten fordern die Rücknahme der Gehaltskürzungen, eine Landreform und die Enteignung sämtlichen privaten Geldvermögens über einer Million US-$ zur Begleichung des Haushaltsdefizits. Trucco lächelt leider nicht nett und kommt den Forderungen nach, sondern schickt loyale Einheiten der Armee zur Bekämpfung. Diese Einheiten werden kommandiert von Mitgliedern der NSDAP (Chile hat eine relativ große deutsche Minderheit und innerhalb dieser ist die Nazipartei sehr beliebt) und der „Vereinigung der Freunde Deutschlands“ (AAA). Die sozialistischen Soldaten werden von der See, von Land und aus der Luft bombardiert. Nun geben die Meuterer auf und werden festgenommen. Im Zuge der Sozialistischen Junta werden sie amnestiert und bleiben auch infolge in Freiheit.

Später werden aus der UP Allendes heraus diese Ereignisse als „größte Chance zur Revolution in der Zwischenkriegszeit, die aufgrund fehlender Koordinierung zwischen Arbeiterschaft und Armee vertan wurde“ bezeichnet werden. In Großbritannien kommt es zeitgleich ebenfalls zu einer Meuterei bei der Marine, die ebenfalls das Ziel hat Gehaltskürzungen rückgängig zu machen. Dort geht die Regierung auf die Forderung ein.

Trotz dieser Ereignisse werden Wahlen abgehalten, die nicht als fair bezeichnet werden können.

Trucco wird später Botschafter in der USA und kurz vor seinem Tod Chef der Zentralbank. Er stirbt 1954.

Chile

Chile 1931 – 1932

Juan Esteban Montero Rodríguez 1931 – 1932:

Juan Esteban Montero [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juan_Esteban_Montero.jpg

Diesmal richtig. Montero gewinnt die Wahlen mit 60 % der Stimmen. Nun könnte er etwas vernünftiges tun, macht er aber nicht. Die soziale Katastrophe will er durch freiwillige Spenden lösen. Derweil hungert das Volk. An Weihnachten kommt es zum kommunistischen Aufstand. Montero reagiert mit unnachgiebiger Härte, er lässt den Sitz der Kommunistischen Partei stürmen und jeden der sich dort aufhält töten. Damit verliert er das Vertrauen der Bevölkerung. Und das Militär um Ibáñez und die Konservativen um Alessandri versuchen an die Macht zu kommen. Montero kündigt ein linksgerichtetes Programm an. Marmaduque Grove Vallejo, Kommandant der Luftwaffe, startet einen Putschversuch und übernimmt eine Airbase. Als er von Montero abgesetzt wird, stellt sich das Militär auf die Seite von Grove und Montero muss zurücktreten. Eine Junta übernimmt und ruft die Sozialistische Republik Chile aus.