Singapur

Singapur

Lee Kuan Yew 1965 – 1990:

Senior Minister Lee Kuan Yew [public domain] http://en.wikipedia.org/wiki/File:Lee_Kuan_Yew.jpg

Dieser heute rund 4 Mio. Einwohner zählende südostasiatische Stadtstaat ist Anfang des 19. Jahrhunderts von den Briten als Umschlagplatz für die Kolonisierung Chinas gegründet worden. Ein solcher bleibt es bis zum Zweiten Weltkrieg. Es siedeln sich in Singapur Menschen überall aus Süd- und Ostasien an, wobei die meisten aus China kommen und schon in den 1820ern die Urbevölkerung der Malayen als größte Bevölkerungsgruppe ablösen.

1939 haben die Briten ihren größten Stützpunkt außerhalb Europas in Singapur errichtet. Leider bricht dann der Zweite Weltkrieg aus und die Flotte ist in Europa beschäftigt. So können die Japaner problemlos den riesigen, aber kaum bemannten Stützpunkt einnehmen und Singapur besetzen. Die Japaner kommen hier nicht, wie in anderen Teilen Ostasiens, als Befreier vom kolonialen Joch. Auch überall sonst ist das natürlich nur Propaganda, aber in Singapur ist nicht mal die Rede von der Schaffung eines Großreichs der Völker Asiens. Stattdessen wird dazu angesetzt den chinesischen Bevölkerungsteil auszurotten oder zumindest soweit zu dezimieren, dass er nicht mehr die Mehrheit ausmacht. Der Höhepunkt dieses Genozids ist 1942 das Sook Ching Massaker, bei dem ca. 100.000 Chinesen ermordet werden. Der spätere Staatsgründer Lee überlebt nur durch Bestechung eines japanischen Soldaten.

Nach dem Krieg wird Singapur wieder britische Kolonie. Der südliche Nachbar Indonesien wird 1948 unabhängig und der dortige sozialistische Präsident Sukarno erhebt Ansprüche über die britischen Besitzungen der Region, also das heutige Malaysia und eben Singapur. Es beginnt ein Krieg zwischen den Briten und Indonesien um Malaysia. In Singapur findet dieser Krieg, abgesehen von Demonstrationen und einigen Sabotageakten, nicht statt. Der Ausgang ist aber entscheidend für den weiteren Verlauf. So wartet man ab und als die Briten Indonesien zurückgeschlagen haben, wird ein Plan entworfen Singapur und das inzwischen formal unabhängige Malaysia zu vereinen. Führend vertritt Lee diesen Plan. Bei Lee handelt es sich um einen langjährigen Kollaborateur, der nun von den Briten als fähig angesehen wird Singapur in der Union mit Malaysia zu vertreten. So wird er Premierminister Singapurs, was er für sehr lange Zeit bleiben wird.

Die Union mit Malaysia klappt nicht so richtig. Die Zentralregierung in Kuala Lumpur fürchtet die Übernahme des Staates durch die raffgierigen und hinterlistigen Chinesen und betreibt eine nationalistische und rassistische Politik gegen die immer noch Bevölkerungsmehrheit Singapurs. Die Bank of China wird geschlossen und deren Vorstand eingesperrt. Es kommt zu heftigen Ausschreitungen in Singapur und mehreren Pogromen. Es ist ein Zustand Alle gegen Alle und sowohl die Autonomieregierung unter Lee als auch die Zentralregierung unter Rahman bekommt die Lage nicht in den Griff. In dieser Situation spaltet sich die Regierungspartei in Singapur. Der sozialistische Flügel tritt aus und wird zur stärksten Oppositionskraft im Parlament. Rahman löst die Situation schließlich dadurch, dass er Singapur aus der Föderation ausschließt. Damit ist Singapur unabhängig. Im selben Jahr wird Sukarno in Indonesien gestürzt und die Zukunft der drei Staaten ist gegeben. Malaysia bleibt ein sehr rückständiger faschistoider Staat, Indonesien wird grausame Militärdiktatur und neoliberales Musterland und Singapur wird wieder das was es schon im 19.Jahrhundert war, Umschlagsplatz und Handelszentrum.

Lee baut Singapur zum verlässlichen Partner der Imperialisten aus. Hierfür muss als erstes die sozialistische Opposition niedergeschlagen werden, denen durch den Sturz des großen Hoffnungsträgers in Indonesien schon der Rückenwind genommen wurde. Es wird ein Einparteiensystem eingerichtet und Gewerkschaften und oppositionelle Presse verboten. Wer in Verdacht gerät irgendwie linke Sympathien zu haben landet im Gefängnis. 1981 werden wieder Oppositionsparteien zugelassen. Die Wahlen bleiben aber gefälscht und die Zahl der politischen Gefangenen konstant hoch.

Singapur erklärt sich nach schweizerischem Vorbild für neutral. Man tritt den Blockfreien bei und unterhält enge Handelsbeziehungen sowohl zur VRC als auch zum Westen.

Singapur ist eine der treibenden Kräfte bei der Gründung von ASEAN. Die Stadt steigt zum drittgrößten Ölraffinerie-Zentrum und zweitgrößten Hafen der Welt auf. Es wird also unglaublich viel Geld vom Westen nach Singapur gepumpt und die Stadt zum Vorzeigeprojekt des Kapitalismus in Asien. In Singapur wird dies nicht so dargestellt, dort erzählt einem die Propaganda, dass man durch Fleiß und Sparsamkeit sich in widrigen Umständen und von barbarischen Feinden umgeben (Malaysia, Indonesien, Kommunisten) ein Paradies errichtet hat. Der Fleiß muss daher den Menschen von Kindestagen an in die Knochen geprügelt und jegliche Verfehlung streng bestraft werden. Singapur besteht deshalb zu fast 50% aus Gefängnis und hat per capita die meisten Hinrichtungen weltweit. Aber es ist sehr sauber, gepflegt und sicher. Sozialleistungen sind natürlich nicht nötig. Wer nicht arbeiten will muss bestraft, nicht gehätschelt werden. Arbeit macht frei!

Anders als bei Kommunisten und anderen Faulpelzen ist Singapur in Bezug auf Minderheiten eher liberal und kann sich hierfür zurecht international feiern lassen. Zwar werden Homosexuelle mit dem Schlagstock von ihrer Perversion kuriert und Muslimen der Bau von Moscheen, sowie der Muezzin verboten, aber immerhin ist sowohl Englisch als auch Chinesisch Amtssprache.

Die große Gefahr von den Nachbarstaaten, sowie den kommunistischen Terroristen (1974 verübt die Japanische Rote Armee einen Anschlag auf die Shell-Raffinerie um die Erdölversorgung Südvietnams zu stören) rechtfertigt den Aufbau einer großen Streitkraft. Durch israelische Berater werden US-amerikanische und deutsche Waffen durch eine zweijährige Wehrpflicht in die Hände von vielen Singapurern gebracht. Die Armee dient weniger zur Landesverteidigung (sie wird erst 1999 erstmals in den Kampf geschickt) als vielmehr als „Schule der Nation“. So hat Singapur eine der am besten ausgerüsteten und auch große Armee, die den Menschen Disziplin, Fleiß und Obrigkeitshörigkeit beibringt. Wer sich widersetzt landet in den unangenehmen 50% des Landes, wer hörig mitmacht dem winkt ein allerdings stressiges Leben in Wohlstand.

1990 tritt Lee zugunsten des Verteidigungs- und Gesundheitsministers zurück, bleibt aber erst als Seniorminister (?), später als Mentorminister (???) Teil der Regierung. Erst 2011 zieht er sich mit 88 Jahren endgültig aus der Politik zurück.

Autor: Linus Deitermann

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