Griechenland

Griechenland (Monarchie)

Theodoros Pangalos Θεόδωρος Πάγκαλος 1925 – 1926:

Pangalos [public domain] http://en.wikipedia.org/wiki/File:Pangalos.jpg

Dieser Militär und Vertraute von Venizelos ist eine der führenden Figuren beim Krieg in der Türkei. Er unterstützt die republikanische Bewegung nach der Niederlage gegen Atatürk und wird 1922 Verteidigungsminister. Als dieser ist er Verantwortlich für die durch das UK skandalisierten Todesurteile gegen royalistische Generäle. 1923 reorganisiert Pangalos die Armee in Thrakien, und sorgt so dafür, dass Atatürk nicht auch Westthrakien von der griechischen Besatzung befreien kann.Ostthratkien bleibt allerdings türkisch und dies wird auch von Kountouris anerkannt. Hiergegen protestiert Pangalos und tritt als Verteidigungsminister zurück.

Pangalos sammelt nationalistische Offiziere um sich und putscht. Er tut dies mit Unterstützung des faschistischen Italiens. Italien hat ja mit Rhodes Besitzungen in der Ägäis und will nun über Pangalos seinen Einfluss auf Griechenland ausdehnen. Schon in den Jahren vorher spielt Italien als eigenständiger Akteur in den Auseinandersetzungen zwischen griechischen Nationalisten und Royalisten einerseits und denen mit der Türkei und den Briten andererseits eine gewisse Rolle. Der Putsch von Pangalos bedeutet nun den Höhepunkt des italienischen Einflusses auf Griechenland.

Pangalos erklärt sich selbst zum Diktator und versucht die Krise mit Zucht und Ordnung zu überwinden. Das Parlament wird aufgelöst, sämtliche Parteien und alle ihm nicht ergebene Presse verboten. Tausende Oppositionelle landen im Gefängnis. Neben dem Versuch das Chaos durch Repression zu beenden, etabliert Pangalos einen strengen Moralkodex. So werden z.B. Röcke, die die Knie unbedeckt lassen, verboten.

Auch geht Pangalos gegen die ethnischen und religiösen Minderheiten im Land vor. Dies betrifft die bislang nicht umgesiedelten Türken, von denen der Großteil vor diesen Verfolgungen in die Türkei flieht. Auch gegen Mazedonen (vor allem die muslimischen) und Bulgaren wird vorgegangen. Die Polizei führt Razzien durch, die sich angeblich gegen Terrorgruppen, die ein unabhängiges Mazedonien anstreben, richten. Es handelt sich aber viel eher um Plünderungen und Pogrome, die willkürlich an Mazedonen und Bulgaren (die in der offiziellen Propaganda ein vereintes Mazedonien unterstützen) verübt werden. Die größte dieser Razzien hat 17 tote Bulgaren zur Folge.

Das ökonomische Programm Pangalos besteht im Wesentlich aus einer 50% Abwertung der Drachme. Dies wird durchgeführt dadurch, dass die Banknoten in der Mitte durchgeschnitten werden.

All diese Maßnahmen können die Probleme Griechenlands nicht lösen. Die Flüchtlinge aus der Türkei sind immer noch nicht versorgt und es herrscht Massenarbeitslosigkeit und Hunger. Pangalos, also im Inneren, zwar grausam, aber völlig erfolglos, wendet sich der Außenpolitik zu. Hiermit bestätigt er Platon, der schrieb: „Wenn ein Tyrann von ausländischen Feinden nichts zu fürchten hat, wird er immer einen neuen Krieg beginnen, um dafür zu sorgen, dass das Volk einen Führer benötigt.“ Von der Türkei und Atatürk lässt Pangalos lieber die Finger, denn auch wenn Konstantinopel und Smyrna eigentlich natürlich griechisches Kernland sind, haben die griechischen Nationalisten gerade ziemlich ungute Erfahrungen gemacht bei dem Versuch diese Städte einzunehmen. So also wendet sich Pangalos nun an Bulgarien, was ja irgendwie auch eigentlich Griechenland ist oder zumindest ist es nicht weit weg. Die Legende erzählt dazu folgende Geschichte: Es war einmal ein griechischer Grenzsoldat mit einem Hund. Dieser Hund war ein wilder spielerischer Hund, der die Welt erkunden wollte und nicht bei seinem Herrchen blieb und über die Grenze nach Bulgarien lief. Der Soldat war nun traurig und lief seinem Hund hinterher. Die bösen bulgarischen Grenzposten zeigten dafür kein Verständnis und sie erschossen unseren griechischen Hundeliebhaber. Pangalos ist hierüber außer sich und fordert eine Entschuldigung der bulgarischen Monarchie, Reparationszahlungen und die Todesstrafe für die verantwortlichen Kommandanten. Bulgarien reagiert auf diese Forderungen nicht, woraufhin Pangalos die Armee in Bulgarien einmarschieren lässt. Es werden 50 bulgarische Zivilisten getötet, aber auch jetzt ist die bulgarische Monarchie nicht an einem Krieg mit Griechenland interessiert und ruft stattdessen den Völkerbund an, der die Invasion verurteilt und Griechenland zu einer Geldstrafe von 45.000 Pfund verurteilt. Die 50 getöteten Bulgaren sind damit recht günstig. Pangalos akzeptiert das unter Protest und zieht die Truppen wieder zurück. Es stellt sich also heraus, dass Pangalos kein guter Tyrann ist. Es gelingt ihm nicht einen Krieg vom Zaun zu brechen. Dies lässt seine Popularität unter den nationalistischen Haudegen innerhalb des Militärs zusammenbrechen, womit er seinen wesentlichen Rückhalt verliert. In anderen Teilen der Gesellschaft hat Pangalos eh nie Rückhalt gehabt und so endet die Diktatur schon nach 13 Monaten. Der Nationalismus/Liberalismus wird damit eindeutig britisch, der italienische Einfluss beschränkt sich ab jetzt bis zum Zweiten Weltkrieg auf den an Griechenland grenzenden Kolonialbesitz, damit hat auch das italienische Staatsmodell erstmal ausgedient. Griechenland wird in den 20ern nicht faschistisch, sondern bleibt parlamentarische Republik.

Pangalos wird nicht aus dem Militär entlassen oder sonst irgendwie für den Putsch, die Willkürjustiz oder die dämliche Aggression gegen Bulgarien zur Rechenschaft gezogen, kommt aber erstmal nicht mehr zu Einfluss. 1930 muss er sogar wegen betrügerischen Immobiliengeschäften für zwei Jahre ins Gefängnis.

Ein Glücksfall für seine Karriere ist die deutsche Besatzung, die ihm die Möglichkeit bietet in der Kollaborationsregierung mitzuwirken und die kommunistische Gefahr so zu bekämpfen. Diese Zusammenarbeit ist nach der Anlehnung an Mussolinis Italien nicht wirklich überraschend. Auch im Bürgerkrieg ab 1944 kämpft Pangalos auf Seiten der Faschisten, da funktioniert es dann auch besser mit den Briten. 1945 erklärt ein Gericht, dass Pangalos zwar Minister in der Kollaborationsregierung war, er sich deshalb aber nicht der Kollaboration schuldig gemacht hat. 1950 scheitert er bei dem Versuch sich ins Parlament wählen zu lassen und stirbt zwei Jahre später. Sein gleichnamiger Enkel ist heute ein führendes Mitglied der PASOK und aktuell Vizepremier in der Regierung. Kollaboration mit Deutschland ist also inzwischen so etwas wie eine Familientradition bei den Pangalos.

Autor: Linus Deitermann

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