Griechenland

Kommunisten

Aris Velouchiotis Άρης Βελουχιώτης 1942 – 1945:

Velouchiotis-Kessel [public domain] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/25/Velouchiotis-Kessel-2.jpg

Dieser unter seinem Nom de Guerre bekannte Kommunist mit dem Geburtsnamen Thanasis Klaras ist bis zu seinem Tod der wesentliche Führer der Partisanen im Krieg erst gegen die deutschen, dann gegen die britischen Besatzer. In den 20ern und 30ern wird er mehrfach verhaftet und eingesperrt. Metaxas steckt ihn ins KZ, aus dem er fliehen kann, dann aber wieder verhaftet wird und ins Gefängnis kommt. Bei Kriegsausbruch wird er amnestiert und nimmt als Soldat Teil am Sieg gegen Italien. Als die Deutschen einfallen ist er in Albanien, ihm gelingt die Flucht in die zentralgriechischen Berge. Kurze Zeit später beauftragt ihn das Zentralkomitee der KKE mit der Bildung von Guerillaeinheiten. Velouchiotis kommt dem gerne nach und ist hierbei so erfolgreich, dass er spätestens ab Sommer 42 als der wichtigste Guerillaführer Griechenlands angesehen werden kann.Erfolgreich ist er vor allem deshalb, weil er auf eine antifaschistische Volksfrontstrategie setzt und die ELAS, die kommunistische Partisanengruppe, nicht auf Kommunisten beschränkt. Es sind so auch Sozialdemokraten und eindeutig bürgerliche Antifaschisten in der ELAS vertreten. Velouchiotis versucht zudem den Bogen bis hin zu royalistischen Gruppen und der britischen Armee zu spannen, was 1942 auch teilweise gelingt.

Velouchiotis leitet im November die Sprengung einer Eisenbahnbrücke, was Athen und die Peloponnes vom Rest der von den Deutschen kontrollierten Gebiete abschneidet. Diese Aktion ist die letzte (und einzige größere) von den verschiedenen Partisanengruppen und den Briten gemeinsam durchgeführte. Die Spannungen zwischen den von den Briten gestützten liberalen und royalistischen Gruppen auf der einen und der von niemandem unterstützten ELAS auf der anderen Seite werden immer offensichtlicher. Ab 1943 kommen die griechischen SS-Einheiten hinzu, die zunächst nicht mit den Briten und nicht kommunistischen Partisanen kooperieren, diese aber von Anfang an nicht wirklich bekämpfen. Die ELAS steht somit schon 1943 alleine gegen Alle.

Dies hat allerdings für die ELAS den Vorteil, dass sie als einzig wirklich antifaschistische Kraft auftreten kann und so gegen Ende des Kriegs noch stark an Einfluss gewinnt. Mitte 1944 kontrolliert die ELAS ca. 60% Griechenlands. Für dieses Gebiet wird eine Regierung eingerichtet, die sich als Gegenregierung sowohl zur Kollaborationsregierung als auch zur Exilregierung in Kairo unter dem König versteht. Die Bildung dieser Bergregierung genannten Exekutivgewalt dient vor allem der besseren Koordinierung der kämpfenden Einheiten. Die Tätigkeit weitet sich aber bald aus. So baut Velouchiotis ein funktionierendes Staatswesen für den Großteil Griechenlands auf mit Justiz, Polizei und Schulen. Es werden sogar Wahlen abgehalten, bei denen erstmals Frauen teilnehmen. Auch gibt es Weiterbildungskurse für Frauen und Kulturbrigaden, die mit mobilen Kinos und Theatern durchs Land ziehen und den Menschen die Werte der Völkerfreundschaft, des Friedens und des Sozialismus Nahe bringen. Das wohl wichtigste, was die Bergregierung macht ist die Kollektivierung der Landwirtschaft und Verteilung von Lebensmitteln an Hungernde.

Während man also in den befreiten Gebieten schon aktiv beginnt am Aufbau des Sozialismus zu feilen, werden die letzten deutschen Einheiten bis Oktober 1944 aus dem Land gejagt. Dies beendet den Krieg aber nicht. Nun, wo die Deutschen vertrieben sind, nehmen die Briten ihren Platz ein. Sie stützen sich einerseits auf die Royalisten, deren Exilregierung zurückkehrt und andererseits auf die Faschisten, die mit den Deutschen kollaboriert haben. Velouchiotis sieht deshalb den Kampf gegen Faschismus und Okkupation nicht als beendet an, sondern führt den Krieg fort. Im Dezember 1944 kommt es zur Schlacht um Athen. Die Briten marschieren in Athen ein und verkünden, dass die ELAS und die aus dieser gebildete Polizei Athens von ihren Aufgaben enthoben sind und entwaffnet werden müssen. Die ELAS folgt diesem Befehl nicht. Auch die KKE-Minister treten aus Protest aus der Regierung zurück. Die KKE ist in der royalistischen Regierung vertreten, weil sich Stalin und Churchill im April 1944 auf ein Bulgarien im sowjetischen und ein Griechenland im britischen Machtbereich geeinigt hatten. Die KKE muss sich demzufolge der von den Briten vorgesehenen royalistischen Ordnung in Griechenland unterwerfen. Also um für ein sozialistisches Griechenland einzutreten, müssten die Kommunisten mit der Sowjetunion brechen. Dies tut, wohl ohne es zu wissen, die ELAS schon während des Kriegs gegen die Deutschen durch die Taten der Bergregierung.

Jedenfalls führt die Weigerung der einseitigen Entwaffnung der kommunistischen Partisanen zu Kämpfen zwischen Royalisten und Kommunisten in Athen, die die ELAS deutlich für sich entscheiden kann und schon nach wenigen Tagen die komplette Stadt kontrolliert. Nun greifen die Briten offen und direkt gegen die Kommunisten ein. 25.000 Briten werden in Athen und Piräus eingesetzt und besetzen die Städte. Im übrigen Griechenland kommt es noch nicht zu Kämpfen, es bleibt damit vorerst unter Kontrolle der ELAS.

Nun muss die KKE eine Weisung des Genialen Führers und besten Freund aller Kinder dieser Welt bekommen haben, denn die KKE-Führung unterzeichnet im Februar 1945 das Abkommen von Varkiza. In diesem akzeptiert sie die royalistische Regierung und verabredet eine Beteiligung der KKE an dieser. Als Kompromiss wird erklärt, dass über die Wiederkehr des Königs in einem Referendum entschieden werden soll. Immer wieder also müssen die Griechen über irgendwelche blöden Könige abstimmen.

Die KKE gibt mit dem Abkommen das Ziel eines sozialistischen Griechenlands auf zu einem Zeitpunkt an dem bis auf zwei von einer ausländischen Armee besetzten Städten das gesamte Land unter Kontrolle von Kommunisten steht. Velouchiotis nennt dies Verrat und wird deshalb als „Trotzkist“ aus der KKE ausgeschlossen. Die KKE betreibt nun die Entwaffnung der ELAS, die sich in einen „trotzkistischen“ und einen stalinistisch-royalistisch-britischen Flügel spaltet. Es kommt zu Kämpfen zwischen den bisherigen Verbündeten. Der Griechische Bürgerkrieg weist damit starke Ähnlichkeiten mit dem Spanischen Bürgerkrieg auf. Nicht nur, dass die Stalinisten der monarchistischen Reaktion zur Macht verhelfen, es kommen auch Interbrigaden auf Seiten der Republik zum Einsatz. Es sind dies deutsche Antifaschisten, die von der Wehrmacht zwangsrekrutiert wurden und 1944 nicht zusammen mit den Deutschen das Land verlassen, sondern sich der ELAS anschließen. Einigen ist es auch schon vor dem Oktober 1944 gelungen überzulaufen. Unter diesen in Griechenland kämpfenden deutschen Antifaschisten befinden sich u.a. Falk Harnack und Wolfgang Abendroth, der allerdings (vor Abzug der Wehrmacht!) von den Briten festgenommen und in Ägypten in einem Kriegsgefangenenlager interniert wird. Noch mehr Beteiligung gibt es aus Reihen der Italiener. Es laufen teilweise komplette Verbände zur ELAS über um nicht in Mussolinis Italien zurück zu müssen.

Im Juni 1945 stirbt Velouchiotis im Kampf gegen Regierungstruppen. Die von den Briten unterstützten Truppen hacken seinen Kopf ab und hängen ihn zur Abschreckung an einer Laterne auf.

Velouchiotis ist heute der große historische Held der radikalen Linken Griechenlands. Auch die griechische Republik hat ihn ob seiner Verdienste im Kampf gegen die deutsche Besatzung mit mehreren Denkmälern geehrt. Die KKE braucht bis November 2011 bis sie sich aufraffen kann ihn zu rehabilitieren. Folgende Begründung liefert das ZK dafür, dass Velouchiotis doch kein Trotzkist war: „Aris Velouchiotis wurde zur Legende und zu einer führende Persönlichkeit der Volksbewegung durch die spezifischen kollektiven und ideologischen Strukturen der KKE“ Dem folgt die Einschränkung, dass Velouchiotis dem Volk noch große Dienste hätte leisten können, wenn er sich im Februar 1945 „der Parteidisziplin gefügt und so am Leben geblieben“ wäre. Nunja.

Autor: Linus Deitermann

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