Griechenland

Griechenland (Monarchie)

Alexandros Papagos Αλέξανδρος Παπάγος 1945 – 1955:

Bundesarchiv B 145 Bild-F001857-0012, Museum München, Ministerpräsident Griechenland [Attribution-Share Alike 3.0 Germany] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F001857-0012,_Museum_M%C3%BCnchen,_Ministerpr%C3%A4sident_Griechenland.jpg

Dies ist der Chef der griechischen Armee. Als Monarchist hat der aus einer einflussreichen Familie mit langer militärischer Tradition stammende Papagos etwas Probleme zur Zeit der Zweiten Republik. Als sich allerdings Metaxas und Venizelos immer weiter annähern, kann er Karriere machen und schließlich Kriegsminister werden. 1936 ist er führend beteiligt beim Putsch und übernimmt im Anschluss zusätzlich zum Kriegsministerium die Führung der Armee.1941 leitet er so den Sieg gegen Italien, kann dann aber der Wehrmacht nichts entgegensetzen. Die Deutschen nehmen ihn fest und bringen ihn nach Dachau. Dort verbringt Papagos als Edelgefangener den Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit 140 anderen Gefangenen wird Papagos 1945 nach Tirol gebracht, wo er in einem Hotel untergebracht wird. Die Deutschen lassen die Gefangenen alleine, sodass sie einige Tage später kampflos von der US-Armee aufgegriffen werden können. Unter diesen 140 Leuten ist der rechte Flügel des Attentatversuchs vom 20.Juli, sowie Teile der faschistischen Staats- und Militärführungen, die die Nazis entmachtet haben. Darunter die Familie Schuschnigg, mehrere Minister aus Ungarn und Jugoslawien, einige von den Militärs, die Mussolini abgesetzt haben und eben der griechische Militärchef.

Papagos geht zurück nach Griechenland und übernimmt wieder die Leitung der Armee. Im zweiten Teil des Bürgerkriegs ist Papagos damit der Befehlshaber der Antikommunisten. Papagos ist somit der Hauptverantwortliche für die Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg. Dies beinhaltet den Einsatz von Napalm gegen „kommunistisch infiltrierte Ortschaften“ und die Internierung von 25.000 Kindern von Kommunisten in Konzentrationslagern.

Der Sieg über die Kommunisten führt formal zur Errichtung eines liberalen Staats. Die gewählten Regierungen sind allerdings aufgrund von nicht vorhandenen Mehrheiten im Parlament praktisch handlungsunfähig. Der König hat nur die Aufgabe wichtig auszusehen und so bekommt die Armee die wesentliche Kontrolle.

In diese Zeit fällt der Friedensvertrag von Paris 1947, der Reparationszahlungen von Italien an Griechenland, sowie das Ende der italienischen Besatzung von Rhodos beinhaltet. Die Eingliederung der Dodekanes ist bis heute die letzte territoriale Veränderung des griechischen Staatsgebiets. Mit dem zu diesem Zeitpunkt noch britisch besetzten Zypern, zwei türkischen Inseln in der Ägäis, dem Süden von Albanien und dem kompletten heutigen Staat Mazedonien gibt es aber noch weitere Gebiete auf die Griechenland Anspruch erhebt.

In Bezug auf Zypern und die türkischen Inseln passiert in den späten 40ern nichts. Bei den anderen Gebieten betreibt Papagos eine nationalistische und rassistische Politik. Zehntausende Slawen aus dem griechisch besetzten Teil Mazedoniens werden nach Jugoslawien vertrieben.

Ebenso vertrieben werden die Tschamen, die albanische Minderheit in Epirus. Es hat aus Kreisen der Tschamen relativ viel Kollaboration mit den Deutschen gegeben. Diese Faschisten werden 1944 durch die ELAS und die albanischen Partisanen geschlagen. Dieser antifaschistische Sieg ist recht blutig. Die ELAS geht sicher, dass keine faschistischen Tschamen überleben. Übrig bleiben somit nur die 1500 Albaner in den Reihen der ELAS, sowie Zivilisten. Genau diese werden nun während des Bürgerkriegs von Papagos ausgewiesen. 28.000 müssen so nach Albanien, 7.000 in die Türkei. Enver Hoxha versucht über das Schicksal dieser Vertriebenen international Unterstützung für die Kommunisten im Bürgerkrieg zu bekommen, das gelingt ihm aber nicht. Nach der Niederlage im Bürgerkrieg normalisiert Hoxha die Beziehungen zu Griechenland und gibt deshalb die Forderung auf ein Rückkehrrecht der Flüchtlinge oder auf Reparationen auf. 1991 kommt das Thema noch mal kurz auf. Die EU kann Albanien aber, ähnlich wie beim Kosovo, schnell davon überzeugen, dass Albanien keine Ansprüche auf irgendwas hat und so spielt es heute keine Rolle mehr.

In Griechenland jedenfalls entsteht durch die Vertreibungen ein national weitgehend homogener Staat. Diese nationale Homogenität wird über die Religion definiert. Als Grieche gilt, wer der Orthodoxen Kirche angehört. Der Kirche wird dementsprechend in der 1952 verabschiedeten Verfassung eine staatstragende Rolle zugeschrieben. Dies bedeutet, dass kirchliche Würdenträger vom Staat bezahlt werden, die Schulen und Universitäten unter kirchlicher Verwaltung stehen und der Klerus in einigen Bereichen gesetzgebende Gewalt hat (z.B. beim Eherecht).

In der Verfassung wird auch jegliche kommunistische Betätigung verboten. Die KKE wird in dieser Zeit vollständig zerschlagen. Tausende Kommunisten sitzen im Exil und können nicht zurückkehren. Die, die in Griechenland bleiben, werden eingesperrt, einige auch hingerichtet. Papagos baut für die Kommunistenverfolgung, die natürlich nicht nur Kommunisten, sondern Linke jeder Richtung und Gewerkschafter betrifft, einen großen Sicherheitsapparat auf. Auch eine umfassende Zensur gegen linkes Schriftgut wird betrieben. Platon und Goethe allerdings dürfen immerhin wieder gelesen werden.

Die Verfassung führt zudem zu einer Änderung des Wahlrechts. Das 1944 eingerichtete Verhältniswahlrecht wird zugunsten eines Mehrheitswahlrechts abgeschafft. Papagos tritt bei den ersten Wahlen nach diesem System an, wofür er den Posten des Armeechefs ablegt. Er kann mit seiner Partei mit 42% der Stimmen mehr als 2/3 der Sitze erringen und somit die Zeit der instabilen und handlungsunfähigen Regierungen beenden.

Die erste Amtshandlung von Papagos als Ministerpräsident ist der NATO-Beitritt Griechenlands. Zusammen mit diesem Beitritt wird auch bestimmt, dass die US-Armee langfristig in Griechenland Basen betreiben darf.

In den drei Jahren seiner Amtszeit findet der Wiederaufbau des durch Welt- und Bürgerkrieg zerstörten Landes statt. 1953 führt Papagos eine Währungsreform durch, die die Drachme an den US-$, bzw. an Gold bindet. So also mit der Einrichtung einer stabilen Währung und dem Verschwinden der Trümmer können die 50er als eine ökonomisch erfolgreiche Zeit in die Geschichte Griechenlands eingehen. Zu einem Sozialstaat (über das hinaus was Metaxas aufgebaut hat) wird Griechenland aber nicht.

1954/55 kommt es auf Zypern zu antikolonialen Protesten. Die griechischen Zyprioten fordern eine Vereinigung mit „Mutter Griechenland“, was von der türkischen Bevölkerung Zyperns aus verständlichen Gründen abgelehnt wird. Es gibt gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Die Briten zeigen hier wieder einmal, dass sie die großen Meister des Divide et Impera sind. In Athen finden in dieser Zeit mehrere Demonstrationen für eine Angliederung Zyperns statt. Papagos will sich nicht in einen Streit um Zypern verwickeln und fordert so weder ein unabhängiges Zypern, noch eine Eingliederung Zyperns nach Griechenland. Die Opposition (nicht die linke) macht aber immer stärkeren Druck und so ruft Papagos als eine seiner letzten Amtshandlungen die UN an, sich mit Zypern zu beschäftigen. In Istanbul kommt es daraufhin zu antigriechischen Demonstrationen, die in ein Pogrom an der griechischen Minderheit mit bis zu 30 Toten umschlagen. Papagos reagiert hierauf nicht mehr, sondern stirbt. Er wird ersetzt durch seinen Wirtschaftsminister.

Der Stadtteil Athens, in dem das Verteidigungsministerium liegt, ist heute nach Papagos benannt.

Autor: Linus Deitermann

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