Griechenland

Griechenland

Georgios Papadopoulos Γεώργιος Παπαδόπουλος 1967 – 1973:

Dies ist der Führer des Putsches. Während der deutschen Besatzung gehört er der SS an und muss 1944 wegen der Befreiung Griechenlands durch die ELAS nach Kairo fliehen. Dort rekrutieren ihn die Briten und bauen um ihn herum eine militärische Einheit auf, die die Kommunisten im folgenden Bürgerkrieg bekämpft.

Papadopoulos macht infolge Karriere im Militär und wird 1953 führendes Mitglied des griechischen Geheimdienst und wichtigster griechischer Kontaktmann zur CIA. In den 50ern ist Papadopoulos zusätzlich Richter an einem Militärgericht und hier für Todesurteile und Inhaftierungen von Kommunisten verantwortlich.

1964 wird Papadopoulos einer breiten Öffentlichkeit bekannt als er 10 Linke verhaftet, weil diese angeblich Militär-LKWs sabotiert indem sie Zucker in den Tank gefüllt haben. Er verhaftet diese 10 Leute, die dann gefoltert werden. Es stellt sich bald heraus, dass es tatsächlich Papadopoulos selbst war, der den Zucker in den Tank gefüllt hat. Er wird deshalb aber nicht aus dem Militär entfernt oder gar selbst wegen Sabotage angeklagt, sondern im Gegenteil zum Oberst befördert. In dieser Funktion führt er 1967 den Staatsstreich durch.

Für die ersten Tage wird noch eine zivile Regierung eingesetzt, diese übt jedoch keine Kontrolle aus. Sie dient ausschließlich dazu den König mit ins Boot zu holen, der zwar keine demokratische Regierung will, aber mit den Obristen eigentlich nicht so viel anfangen kann. Der König ist Marionette der Briten, Papadopoulos und seine Kumpel hingegen handeln im Auftrag der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Überhaupt dient die griechische Monarchie schon immer den Interessen des Empires, nun 1967 wird Griechenland de facto Republik und ist damit vollständig in den Händen des Imperiums und bleibt dies bis zum Aufstieg der BRD zur Großmacht nach dem Anschluss der DDR, aber dazu später. Jedenfalls organisiert der König einen Gegenputschversuch, bei dem er sich auf die Generäle stützt. Er scheitert kläglich und geht nach einer Stippvisite bei seiner Schwester in Spanien (Königin Sophia) ins britische Exil. Bis heute ist er dort und bezeichnet sich als einziges legitimes Staatsoberhaupt Griechenlands.

Nach dem Staatsstreich errichten die Obristen eine Junta, der Papadopoulos vorsteht. Er übernimmt zusätzlich das Amt des Premier- und Verteidigungsministers.

Das Parlament wird aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt, sämtliche Parteien und die Gewerkschaften verboten, ebenso alle nicht unter der Kontrolle des Militärs stehenden Zeitungen.

Im ersten Monat nach dem Putsch kommt es zu Massenverhaftungen und –Erschießungen. Es werden rund 8.000 Menschen hingerichtet. Dies trifft einerseits die royalistische Elite und andererseits die Linke, wobei „links“ hier sehr weit auszulegen ist. Auch nach diesen Säuberungen geht der Terror weiter. Es werden wieder Konzentrationslager aufgebaut, in denen hauptsächlich Veteranen des Widerstands gegen die Nazis und des Bürgerkriegs interniert werden. Das Durchschnittsalter liegt dementsprechend bei über 50 Jahren und die mit Folter und Unterernährung verbundenen Haftbedingungen führen häufig zum Tod.

Die jüngeren Gegner landen eher in normalen Gefängnissen, denn in den auf Inseln gelegenen KZs. Die Haftbedingungen sind hier nicht besser, den in der Regel ohne Anklage Verhafteten werden die Fingernägel ausgerissen und sie gezwungen Exkremente zu essen. Der griechische Faschismus stellt das grausamste Folterregime Europas nach 1945 dar.

Auch außerhalb Griechenlands sind die Sicherheitsdienste aktiv. Die (sehr große) Exilopposition wird auch mithilfe von anderen Diensten bespitzelt, deren Aktionen sabotiert und Vertreter dieser teilweise gewaltsam zum Schweigen gebracht. Neben den US-Diensten tun sich hier besonders die mit der P2-Loge verbundenen Kräfte, sowie die westdeutschen VS und BND (gegen den Willen der Regierung Brandt) hervor. In Italien leistet der griechische Geheimdienst zudem intensive Mithilfe bei der „Strategie der Spannung“. So sind griechische Geheimdienstler etwa bei dem Attentat auf den italienischen Premierminister und nach Aldo Moro wichtigsten Vertreter des linken Flügels der CD, Mariano Rumor beteiligt.

Papadopoulos sucht die Diktatur nicht nur über Terror aufrecht zu erhalten, sondern sorgt mithilfe seiner Kumpels aus Nordamerika für starkes Wirtschaftswachstum. So wird ein Tourismussektor aufgebaut, der Devisen ins Land bringt. Zum Zeitpunkt des Sturzes Papadopoulos sind fast 15% der Erwerbstätigen direkt im Tourismussektor beschäftigt, was europaweit den höchsten Wert darstellt. Probleme in einem faschistischen Staat, in dem jedem der verdächtig ist irgendwie linke Sympathien zu haben die Fingernägel ausgerissen werden, einen Massentourismus aufzubauen scheint es nicht zu geben. Griechenland wird in dieser Zeit sogar zu einer Hochburg der Hippiebewegung, die gleich ihrer historischen Vorläufer der Wandervögel keinen Widerspruch sieht zwischen ihren Idealen und einer Militärdiktatur und im Umfeld der Touri-Gettos an den Stränden Kretas um Lagerfeuer versammelt Lieder über Love and Peace singt.

Neben dem Tourismus führt Papadopoulos Modernisierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft durch. Vor allem durch Investitionen aus der EG wird so der Ochse mehr und mehr durch den Traktor ersetzt. Maßnahmen zur Industrialisierung in den Städten gibt es nicht, allerdings wird Coca Cola eingeführt. Die im großen Umfang gegebenen Kredite zum Aufbau einer touristischen Infrastruktur und militärischen Aufrüstung werden zu einem großen Teil unterschlagen. Noch heute stehen in vielen Teilen Griechenlands halb fertige Hotelanlagen, deren Fertigstellung aufgrund Versickerung der Gelder in Richtung schweizerischer Banken nicht vollzogen wurde. Diese Kredite sind nie für ungültig erklärt worden und die Räuber der Diktatur sind aufgrund fehlender juristischer Aufarbeitung auch nie zur Rückzahlung gezwungen worden.

Von Seiten Schwedens, Dänemarks, Norwegens und der Niederlande gibt es den Versuch den griechischen Faschismus international zu isolieren und die Vertreter des Obristenregimes wegen Menschenrechtsverbrechen anzuklagen. Die USA und die Großen der EG verhindern allerdings eine Verurteilung und arbeiten stattdessen eng mit Griechenland zusammen.

Dies führt dazu, dass der Widerstand gegen den Faschismus verknüpft ist mit einem gegen die USA und die NATO gerichteten Antiimperialismus, was die Wiedergeburt der Kommunistischen Partei ermöglicht. Trotz des großen Terrors sind die Antifaschisten schon 1968 in der Lage auch mit gewaltsamen Mitteln gegen Papadopoulos vorzugehen. Es beginnt mit einem leider erfolglosen Bombenattentat auf Papadopoulos. Der Attentäter wird verhaftet und zum Tode verurteilt, das Urteil wird nicht vollstreckt, sodass er den Faschismus überlebt. Er überlebt allerdings nicht die Zeit der Wieder (?) -herstellung der Demokratie infolge, denn er verlangt als Parlamentarier eine Aufarbeitung des Faschismus und klagt Regierungsmitglieder und hohe Militärs der Zusammenarbeit mit den Obristen an. Bevor er entsprechende Dokumente öffentlich machen kann, wird er durch einen „Autounfall“ entsorgt.

Infolge des gescheiterten Attentats 1968 formieren sich in den Betrieben und den Universitäten größere Widerstandsgruppen. Die KKE kann hierbei ihren Einfluss ausbauen, ist allerdings aufgrund der Niederschlagung des Prager Frühlings gespalten. Im Wesentlichen wird der Widerstand getragen von der KKE, bzw. deren Jugendverband KNE, sowie der Abspaltung der Partei „KKE im Innern“, aus der später Synapsos, die heute führende Gruppe im Bündnis Syriza, hervorgeht. Es gibt Streiks, studentische Demonstrationen und in kleinerem Umfang auch Terrorakte gegen den Faschismus.

Dieser Druck bringt Papadopoulos dazu einen Pseudoübergang zur Demokratie zu verkünden. Die Republik wird ausgerufen und Papadopoulos nennt sich nun Präsident. Es sollen Wahlen abgehalten werden an denen Vertreter mehrerer Parteien (jedoch keine Kommunisten) teilnehmen sollen. Der Widerstand sieht in dieser angekündigten Liberalisierung einen Etappensieg und strengt seine Aktionen an. So kommt es zu einem Streik an der Universität von Athen. Dieser wird dann allerdings von Papadopoulos mit militärischer Gewalt niedergeschlagen. Es sterben 24 unbewaffnete Studenten. Hiermit verliert Papadopoulos jegliches Vertrauen der Opposition, die radikale Rechte hatte er vorher durch seine angekündigte Demokratisierung schon vergrault und so kommt es zu einem weiteren Putsch. Leute die noch weiter rechts stehen als Papadopoulos ergreifen die Macht und stellen diesen unter Hausarrest.

Papadopoulos wird 1975 wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wird in lebenslange Haft umgewandelt, in der er 1999 stirbt. Heute ist Papadopoulos der Held der bis vor kurzem mitregierenden, aber inzwischen nicht mehr im Parlament vertretenen Partei LAOS.

Autor: Linus Deitermann

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