Griechenland

Griechenland

Konstantinos Karamanlis Κωνσταντίνος Καραμανλής 1974 – 1980:

Konstantinos Karamanlis Andartis [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Konstantinos_Karamanlis_Andartis.jpg?uselang=de

Diesen kennen wir schon als Gegner des Militärs. Nun formt er das Land in eine liberale Republik um. Es werden Wahlen veranstaltet, die Karamanlis mit seiner neu gegründeten Partei Neue Demokratie (ND) deutlich gewinnt. Da ab jetzt die stärkste Partei auch noch Bonussitze erhält, verfügt die ND über 202 der 300 Sitze und kann so frei walten. Die Kommunistische Partei wird legalisiert und ist auch im Parlament vertreten.Nach den Parlamentswahlen wird ein Referendum über die Rückkehr des Königs durchgeführt und Griechenland so zur Republik. Haben die Griechen also schon des Öfteren für die Monarchie gestimmt, wählen sie sie jetzt endgültig ab.

Die beiden Diktatoren der Junta werden vor Gericht gestellt und müssen bis an ihr Lebensende ins Gefängnis. Es gibt noch einen zweiten Prozess, wegen dem Massaker an der Universität 1973. Darüber hinaus findet keine juristische Aufarbeitung des Faschismus statt.

Die politischen Gefangenen werden freigelassen und sämtliche politischen Verfahren aus der Zeit der Junta für ungültig erklärt.

1975 wird durch das Parlament eine neue Verfassung verabschiedet, die Griechenland als liberale Republik kennzeichnet. Die Rolle der Orthodoxen Kirche bleibt jedoch staatstragend. Neben den schon beschriebenen Folgen bedeutet das auch, dass der Berg Athos nicht von Frauen betreten werden darf (das gilt übrigens auch für weibliche Tiere), die dortigen Mönche keine Steuern zahlen müssen und eigene Briefmarken und Nummernschilder haben dürfen. Das Zutrittsverbot für Frauen gilt bis heute, Griechenland konnte hier in allen EU-Verträgen in denen irgendwas über Gleichberechtigung von Mann und Frau steht, Ausnahmeregelungen durchsetzen.

Die Übergangsperiode ist insgesamt eher unspektakulär. Die alten Herrscher sind auch die neuen. Mit der Türkei sind die Beziehungen angespannt, aber nicht bedrohlich. Die EG streckt seine Finger aus und beschließt für 1981 den Beitritt Griechenlands. Ein Sozialstaat wird nicht aufgebaut. Ein Fünftel der Staatsausgaben gehen ans Militär. Die Studenten sind unzufrieden und demonstrieren manchmal, worauf Karamanlis nicht reagiert. Die Linke formiert sich neu, so entsteht eine europatypische sozialdemokratische Partei (PASOK) und die Kommunisten spalten sich in reformierte Kommunisten und Stalinisten, treten aber noch gemeinsam mit linken Gewerkschaftern bei Wahlen an (das ändert sich erst nach dem Ende der UdSSR). Griechenland erhebt völlig irrsinnige territoriale Ansprüche auf Mazedonien und, ja tatsächlich immer noch, Zypern, macht aber keine Anstalten mehr diesen Ansprüchen Taten folgen zu lassen. Die Ökonomie Griechenlands hängt an den Reedern und am Tourismus, hier setzt Karamanlis eine recht hohe staatliche Beteiligung durch. Auch die Luftlinie wird verstaatlicht. Gleichzeitig gibt es ein gewisses Wirtschaftswachstum und leicht steigende Löhne. Die Korruption bleibt auf einem hohen Niveau.

1980 wird Karamanlis Staatspräsident und vollzieht als dieser den Beitritt zur EG und erkennt die Unabhängigkeit der Republik Zypern an. Von 1990 bis 1995 ist er wieder Präsident. Seinen Neffen werden wir noch behandeln. Überhaupt zeigt sich, dass in der politischen Führung der Dritten Republik eine Vetternwirtschaft herrscht, die fast so schlimm ist, wie bei den Monarchen, Republik hin oder her. Die ganzen Papandreous kommen ja auch noch.

Autor: Linus Deitermann

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