Griechenland

Griechenland

Andreas G. Papandreou Ανδρέας Γ. Παπανδρέου 1981 – 1989:

Andreas Papandreou [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Andreas_Papandreou.jpg

Diesen Sozialdemokraten haben wir schon erwähnt als Minister unter seinem Vater. In dieser Zeit vertritt er ein linkes Programm, das nicht durchgesetzt wird, weil erst der König, dann das Militär eingreift.Die Zeit des Faschismus verbringt Papandreou im Exil in Schweden und in Kanada. Dort baut er eine Exilopposition auf, aus der später die PASOK hervorgeht. Er macht die USA für den Putsch verantwortlich und fordert für das demokratische Griechenland die Blockfreiheit.

Diese Position vertritt er auch als Oppositionsführer zwischen 1974 und 1981 im von der ND regierten postfaschistischen Griechenland. So wird er gewählt.

Die Hoffnungen erfüllen sich nicht, Papandreou bricht seine Wahlversprechen. So bleibt Griechenland NATO-Mitglied, die US-Truppen bleiben im Land, die Militärausgaben werden nicht zurückgefahren und die EG-Mitgliedschaft wird nicht aufgehoben. Auch gegenüber der Türkei kommt es nicht zu einer Entspannung. Verhandlungen über Zypern macht Papandreou von einem Abzug der türkischen Soldaten aus Nordzypern abhängig. Diese Forderung ist nicht erfüllbar und so zementiert Papandreou die Teilung Zyperns, die bis heute anhält. Immerhin aber erkennt Papandreou die Unabhängigkeit Zyperns an, Griechenland behauptet also nicht mehr, dass Zypern eigentlich zu Griechenland gehört.

Außenpolitisch spielt Griechenland keine eigenständige Rolle und es bleibt ein verlässlicher NATO-Partner. Papandreou hält allerdings einige heuchlerische Reden gegen Atombomben, reist nach Polen und unterstützt verbal Palme und Arafat ohne dem irgendwelche Schritte folgen zu lassen.

Die Rolle der Kirche wird etwas zurückgedrängt. Papandreou führt ein ziviles Eherecht ein, was auch die Legalisierung von Scheidung beinhaltet.

Wesentlich für die 80er in Griechenland ist eine mit der EG zusammenhängende Entwicklung. Die BRD und Frankreich haben eine stark exportorientierte Wirtschaft. Das bedeutet, dass Waren aus Deutschland und Frankreich vor allem im Ausland abgesetzt werden. Hierfür bedarf es einen Absatzmarkt und demzufolge Länder, in denen erstens keine eigene Industrie besteht und zweitens muss genug Kaufkraft vorhanden sein, um die aus Deutschland und Frankreich importierten Waren zu konsumieren. Keine starke eigene Produktion bei gleichzeitig steigender Kaufkraft funktioniert nur kreditfinanziert. Die Kredite werden aufgenommen zum größten Teil bei deutschen, französischen und britischen Privatbanken, sowie bei Entwicklungsbanken (Hilfsgelder der EG und des IWF).

Papandreous Aufgabe ist es hier die Gelder so zu verteilen, dass ein größtmöglicher Absatzmarkt entsteht. Zum Teil geschieht dies einfach über den Staat. Griechenland leiht sich Geld bei der Dresdner Bank und kauft dann Waffen bei Krupp. Dies geschieht im großen Umfang, sodass Griechenland in den 80ern per capita die höchsten Militärausgaben in der EG hat. Es geht hierbei nicht nur um Waffen, auch das griechische Transportwesen und wesentliche Teile der Hafenindustrie ist in staatlicher Hand, was dem deutschen Maschinenbau zugute kommt.

Aber der Staat reicht nicht, VW will seinen Golf verkaufen, Bayer sein Aspirin, Danone seinen Jogurt, L’Oreal seine Creme und so weiter. Es muss also Geld unter das Volk verteilt werden. Papandreou sorgt für Lohnsteigerungen und den Aufbau eines Sozialstaats. Es gibt nun Zahlungen an Arbeitslose, ein gesetzliches Krankenkassensystem wird aufgebaut und eine Progressivsteuer eingeführt.

Industrialisierung findet nicht statt, die durchaus im großen Umfang vorhanden Bodenschätze bleiben so weitgehend unausgebeutet. Die produktive Beschäftigung bleibt also auf Landwirtschaft, Hafen und Tourismus beschränkt. Papandreou löst dieses Problem, neben dem Aufbau eines Sozialstaats, durch den Aufbau eines aufgeblähten Bürokratieapparats. So also werden die deutschen Kredite in Form von Gehältern direkt an das Volk verteilt, damit es dann Becks und Löwenbräu trinken kann. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Kredite natürlich zu einem Teil auch veruntreut werden und so auch Papandreou einem Korruptionsskandal ausgesetzt ist. Aber das ist nur ein Nebenaspekt. Dass die Verwalter der bürgerlichen Herrschaft Diebe sind, ist ja nun beileibe nichts außergewöhnliches.

1989 jedenfalls verliert Papandreou wegen seiner Korruption an Stimmen, die Linken (die letztmals geschlossen antreten) gewinnen hinzu und so gibt es keine Mehrheit für PASOK oder ND. 1993 wird Papandreou noch mal Regierungschef werden.

Autor: Linus Deitermann

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