Griechenland

Griechenland (Monarchie)

Eleftherios Venizelos Ελευθέριος Βενιζέλος 1916 – 1920:

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Die Staatsführung Griechenlands während des Ersten Weltkriegs ist tief gespalten in einen prodeutschen und einen alliierten Teil. Die Monarchie steht auf Seiten der Mittelmächte, kann aber wegen dem Osmanischen Reich nicht am Krieg teilnehmen. Die Regierung unter Venizelos steht auf Seiten der Alliierten, kann aber nicht in den Krieg eingreifen, weil Griechenland eine Königsherrschaft ist.

Bis November 1916 beschränken sich die Auseinandersetzungen auf Demonstrationen und Propaganda, dann allerdings erzwingt die Lage in Mazedonien eine deutliche Positionierung Griechenlands. Konstantin entlässt Venizelos und setzt den alten Rivalen von Venizelos Zaimis und den späteren Diktator Metaxas ein. Die beiden paktieren nun offen mit Deutschland und Bulgarien indem sie den Mittelmächten Thrakien (Makedonien) kampflos überlassen.

Die Alliierten verstehen dies als Eintritt in den Krieg auf Seiten der Mittelmächte und fordern die Demobilisierung der Armee. Gleichzeitig ruft Venizelos in Thessaloniki die „Provisorische Regierung der Nationalen Verteidigung“ aus. Diese Regierung bildet eine Armee, die von französischen Generälen geführt wird und etwas später in großem Umfang Bulgaren, Österreicher und Deutsche bekämpfen wird.

In Athen finden derweil antibritische und antifranzösische Demonstrationen statt, die vom Königshaus organisiert werden. Im Zuge dieser Demonstrationen wird die liberale (venezilistische) Presse zerstört und die britische Botschaft angegriffen. Nun richten die Alliierten eine Seeblockade um Südgriechenland ein und die Franzosen nehmen die Marinebasis auf Salamis ein und beschlagnahmen die dortigen Kriegsschiffe.

In der Armee bilden sich daraufhin royalistische Gruppen, die Widerstand gegen die Alliierten organisieren. Es kommt in Athen zu heftigen Kämpfen zwischen Royalisten auf der einen und Venezilisten und Truppen der Alliierten auf der anderen Seite. Die Blockade und die Kämpfe zwingen den König, Zaimis und Metaxas zurückzutreten und ins Exil zu gehen. Es wird ein neuer König eingesetzt, der den Alliierten keinen Ärger macht. Venizelos erklärt den Mittelmächten den Krieg und 300.000 griechische Soldaten kämpfen unter französischer Führung bis Kriegsende in Mazedonien.

Der Krieg endet etwas weniger als ein Jahr später und Griechenland ist auf der Seite der Sieger. Venizelos nimmt Teil an den Friedensverhandlungen. Hier wird Griechenland reich belohnt für die enthusiastische Beteiligung am Weltkrieg. Gebiete in Kleinasien um Izmir, bis auf das italienische Rhodos sämtliche im ägäischen Meer liegenden Inseln, ungefähr die Hälfte des heutigen Albaniens und das im letzten Jahrzehnt heftig umkämpfte Thrakien (Makedonien) werden griechisch. So zumindest die Verträge. In der Türkei allerdings will man nicht unter griechische Fremdherrschaft fallen. Venizelos entsendet Soldaten nach Izmir um das Gebiet zu befrieden und die griechische Herrschaft abzusichern. In diesem Zusammenhang werden Massaker an muslimischen Zivilisten in Izmir durchgeführt, denen 4000 Menschen zum Opfer fallen. So wird „Smyrna“ befreit. Daraufhin marschieren griechische Truppen weiter Richtung „Konstantinopel“, wobei jeder türkische Ort an dem sie vorbeikommen geplündert und niedergebrannt wird. Die Städte Manisa und Turgutlu werden so vollständig zerstört. Tausende Menschen werden lebendig verbrannt. Dieser Genozid wird sich für Griechenland nicht auszahlen, der griechisch-türkische Krieg wird in einer derben Niederlage enden. Bevor es aber dazu kommt, wird Venizelos abgewählt. Nach dem Tod des von den Alliierten eingesetzten Königs gewinnen Anhänger Konstantins mit dem Versprechen den Krieg in Kleinasien zu beenden die Wahlen und Konstantin kommt zurück und übernimmt den Thron. Auch wenn die Royalisten ihr Versprechen nicht halten, zeigt diese Abwahl von Venizelos deutlich, wie groß die nationalistische Begeisterung nach dem Sieg im Weltkrieg in Griechenland ist. Zu dieser Antikriegsstimmung in Griechenland trägt in nicht unerheblichen Teil die 1918 gegründete Kommunistische Partei bei, die sowohl an der Front, als auch in Griechenland den Krieg als imperialistisch brandmarkt. Die zu diesem Zeitpunkt übrigens von einem späteren Mitglied der Vierten Internationale geführte KKE organisiert große Demonstrationen in Athen, Piräus und Thessaloniki gegen den Krieg. Auch in den Gewerkschaften erhalten die Kommunisten viel Zulauf, bei ihrer Forderung nach der Schaffung eines vereinten unabhängigen Mazedonien allerdings vertritt die KKE leider keine mehrheitsfähige Position in Griechenland. Die Partei steht sowohl in Kontakt zu Atatürk, als auch zu Venizelos, ist allerdings verboten und kann deshalb nicht bei den Wahlen antreten. Im Laufe der 20er werden in der Partei heftige Auseinandersetzungen zwischen Trotzkisten und Stalinisten stattfinden und sich dadurch u.a. auch die Position zu Mazedonien ändern.

Venizelos jedenfalls ist abgewählt, wird aber 1928 zur Zeit der Zweiten Republik wieder Ministerpräsident werden und daher noch mal behandelt werden.

Autor: Linus Deitermann

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