Bhutan

Bhutan
Jigme Dorji Wangchuck 1952 – 1972:

Die Dynastie lebt ohne Störgeräusche fort. Jigme Dorji übernimmt den Thron mit 22 Jahren und behält ihn bis zu seinem Tod 20 Jahre später.

In den 50ern steht das Verhältnis zu Tibet im Mittelpunkt. Im Zuge des chinesischen Einigungsprozesses erlangt Mao 1951 die Kontrolle über Tibet. Jigme Dorji schließt die Grenze zu Tibet, womit Bhutan eindeutig im Kalten Krieg ankommt. Die Grenze ist bis heute umstritten zwischen der VRC, Bhutan und auch dem Dalai Lama.

Jigme Dorji betreibt ein gegen mögliche Sympathien gegenüber der chinesischen Revolution gerichtetes Modernisierungsprogramm. Die erste Maßnahme ist die Schaffung eines Parlaments. Dieses Parlament setzt sich zusammen aus 150 Abgeordneten, von denen 106 von den Dorfvertretungen gewählt werden, die anderen werden teils vom Klerus, teils vom König ernannt. Vom Volk gewählt wird niemand. Das ist aber auch nicht so wichtig, denn jede Entscheidung des Parlaments kann vom König durch ein Veto rückgängig gemacht werden und der König behält auch die Möglichkeit selbst Gesetze zu beschließen, auf die das Parlament keinen Einfluss hat.

1959 geht Jigme Dorji noch einen Schritt weiter. Die Sklaverei und Leibeigenschaft wird abgeschafft. Die Leibeigenen waren bis 1958 zum allergrößten Teil in Staatseigentum und arbeiteten in der Landwirtschaft, im Straßenbau und als Prostituierte und Lustknaben. Nun werden sie befreit und gehen der selben Beschäftigung als Lohnarbeiter im Staatsdienst nach. Gleichzeitig führt Jigme Dorji die Staatsbürgerschaft ein. Jeder, der selbst und dessen Eltern in Bhutan geboren wurden bekommt das Bürgerrecht. Zumindest solange man nicht Straftaten begeht, sich für länger als 1 Jahr im Ausland aufhält, etwas positives über Mao oder etwas negatives über Jigme Dorji sagt.

Als nächste Reform führt Jigme Dorji eine Gerichtsbarkeit ein, die nicht ihm selbst untersteht, höchster Richter wird stattdessen sein Neffe.

Die 60er und die Beruhigung der Lage in Tibet nach der Niederschlagung des Aufstands dort lassen die Modernisierungsmaßnamen Jigme Dorjis weniger politisch, dafür mehr ökonomisch werden. Mit großer Unterstützung Indiens wird ein Fünfjahrplan zum Aufbau einer Infrastruktur durchgeführt. Die erste Überlandstraße die ganzjährig befahrbar ist, wird gebaut von der Hauptstadt Thimphu zur indischen Grenze. Zusätzlich eröffnet Jigme Dorji eine Bibliothek, ein Museum, ein Stadion, einige Verwaltungsgebäude und einen neuen Königspalast. Ja, es geht voran in Bhutan.

1962 wird ein Stehendes Heer für den Fall eines Kriegs mit China gegründet. Das war allerdings keine gute Idee, denn weniger als zwei Jahre nach Gründung der Armee versucht diese zu putschen. Der Premierminister stirbt dabei, der Sturz der Dynastie oder gar die Einführung der Republik kann aber verhindert werden. Jigme Dorji führt daraufhin Säuberungsaktionen durch, denen praktisch die gesamte Militärführung und auch einige Verwandte Jigme Dorjis zum Opfer fallen. Die Unruhen im Militär gehen aber trotzdem weiter. Es kommt immer wieder zu Attentaten und Unruhen. Schließlich droht Indien mit der Besetzung Bhutans, was Jigme Dorji mit Exilierungen und Hinrichtungen beantwortet. Die Lage beruhigt sich erstmal, Indien muss nicht eingreifen. Eine Folge davon sind allerdings eine Verschärfung der Spannungen zwischen der VRC und Indien, da es China als Bedrohung auffasst, das Indien damit droht seine Truppen an der Grenze zu Tibet einzusetzen.

Ansonsten steht Jigme Dorji auch noch für den Beginn einer eigenständigen Außenpolitik Bhutans. Es werden diplomatische Beziehungen aufgenommen zu Sri Lanka und der Schweiz und 1971 tritt Bhutan der UNO bei. Damit ist Bhutan dann vollständig auf der Bühne der Weltpolitik angekommen.

1972 stirbt Jigme Dorji nach langer schwerer Krankheit. In den 60ern hat er schon die meiste Zeit von einem schweizerischen Krankenhausbett regiert, was die Unruhen im Militär sicherlich begünstigt hat.

Autor: Linus Deitermann

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