Bhutan

Bhutan
Jigme Singye Wangchuck 1972 – 2006:

Schon mit sechzehn Jahren muss Singye wegen des Todes seines Vaters den Thron besteigen. Er verspricht den Modernisierungskurs seines Vaters fortzuführen. Des Weiteren sagt er: “Gross National Happiness is more important than Gross National Product”. Dies war wahrscheinlich einfach im jugendlichen Leichtsinn so dahin gesagt, aber führt zu einer Welle der Begeisterung. Also vor allem weltweit, eher weniger in Bhutan. Für Singye bedeutet dies, dass die buddhistischen Werte, wie innerer Frieden und Bescheidenheit, wichtiger sind als wirtschaftlicher Erfolg. Es macht also nichts, wenn man arm ist, solange man dabei glücklich ist. Endlich jemand der dem Kapitalismus und diesem unsinnigen Streben nach materialistischen Werten die Stirn bietet. Es wird ein Institut gegründet, dass den GNH (Gross National Happiness) messen soll. Das Zitat wird an den Häuserwänden omnipräsent. Gemessen wird der Wert in einem neunstündigen Interview, in dem das Opfer praktisch alles preisgeben muss, was sein Leben betrifft. In einem Land, in dem der Begriff “Meinungsfreiheit” nicht mehr als ein böses Wort aus dem degenerierten Ausland ist, ein problematisches Unterfangen. Wie glücklich sind arme Bauern, die eine Tracht aus dem 14. Jahrhundert tragen müssen? Alle politischen Parteien sind verboten und an Gewerkschaften ist gar nicht zu denken. Dem Volk sind längere Auslandsreisen verboten, sie führen zum Entzug der Staatsbürgerschaft. (Singye selbst hat allerdings seine gesamte Jugend bis 1970 im Ausland verbracht).

In den siebziger Jahren verbietet Singye das Fernsehen, später Ende der achtziger Jahre das Internet.

Die Problematik der Nahrungsmittelknappheit löst Sinye äußerst elegant, indem er nicht für mehr Nahrung sorgt, sondern die Bevölkerung dezimiert. Er erklärt im Süden von Bhutan eine Bevölkerungsgruppe zu Nepalesen mit der Folge, dass diese nicht nur die bhutanische Staatsangehörigkeit verlieren, sondern auch noch das Land verlassen müssen. Dies betrifft ungefähr ein Siebtel der Bevölkerung (120.000 Menschen). All diese Maßnahmen führen zu Aufständen im Land und die Opposition erstarkt.

Singye kann seine Macht nicht halten. 2003 lenkt er ein und es wird eine Verfassung erarbeitet, die auch die allgemeinen Wahlen zu einem Parlament vorsehen. Singye hatte sich schon vorher dem existierenden Parlament unterworfen. Der König kann jetzt tatsächlich abgesetzt werden, aber nur zugunsten des Thronfolgers.

Singye scheint die neue Verfassung nicht mehr selbst umsetzen zu wollen. 2006 tritt er überraschend zu Gunsten seines Sohnes zurück.

Sein Lebenswerk (GNH) wird weiterleben. Ein Institut aus Sao Paulo hat das Prinzip entdeckt und versucht nun die Umsetzung in Brasilien. Bei der 5. Konferenz in Brasilien kamen immerhin schon 800 Teilnehmer. Möglicherweise entsteht hier eine neue Spielart des Buddhismus.

Autor: Markus

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>