Estland

Estland

Otto August Strandman 1929 – 1931:

Otto Strandman [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Otto_Strandman.jpg?uselang=de

Den kennen wir schon. Angefangen hat er als sozialistischer Revolutionär und er bewegt sich dann immer weiter nach rechts. 1929 ist er angekommen in einer konservativen Partei und zwar der Nationalen Zentrumspartei in die die Arbeiterpartei aufgeht. Während der 20er ist er teils in den Regierungen vertreten, teils in der Opposition. 1927 geht er in den diplomatischen Dienst und wird Botschafter erst beim Völkerbund, dann in Rumänien und schließlich in Polen. 1929 kehrt er nach Estland zurück um wieder die Regierung zu übernehmen.Da Estland in den 20ern ein Musterland der Freien Marktwirtschaft, bzw. wie man es damals nannte des Laissez Faire ist, trifft die Weltwirtschaftskrise das Land voll. 1930/31 sinkt der Wert der produzierten landwirtschaftlichen Güter um 45%, die der industriellen um 20%. Zahlreiche Banken gehen pleite. Der Außenhandel bricht nahezu vollständig zusammen. Mehr als ein Fünftel aller Beschäftigten verliert seinen Arbeitsplatz, die anderen 4/5 verdienen im Schnitt 30% weniger. Es dauert nicht lange und die verhungerten Obdachlosen stapeln sich auf der Straße. Die Kriminalitätsrate steigt dramatisch und es kommt zu Hungeraufständen. Alles das passiert in 18 Monaten. Estland befindet sich im Schock.

Da während der gesamten 20er Jahre eine linke Mehrheit im Parlament vorhanden war und dieses Parlament für die heftigen Auswirkungen der Krise verantwortlich ist und auch jetzt unter dem „Sozialisten“ Strandman keinerlei Gegenmaßnahmen vorgenommen werden, kann die radikale Rechte profitieren. Estland bekommt mit der Vaps Bewegung eine starke faschistische Gruppierung. Diese Gruppe formiert sich vor allem aus der Freiwilligenarmee, die durch die Konservativen zum Schutz vor den Kommunisten zum Staat im Staate aufgebaut und mit außerkonstitutionellen Rechten ausgestattet wurde. Es geschieht in Estland ähnliches wie in Deutschland in der selben Zeit, als die SA der Nachfolger der Freikorps ist und während der Rezession im Zuge der Weltwirtschaftskrise Suppenküchen einrichtet um hungernde Arbeitslose zu rekrutieren.

Strandman ist völlig unfähig auf die Krise zu reagieren und wird deshalb abgelöst.

Nach seiner Regierung wird Strandman wieder Botschafter. Bis 1939 ist er in Frankreich, Belgien und beim Heiligen Stuhl akkreditiert. Dann kehrt er aus gesundheitlichen Gründen nach Estland zurück und erlebt somit die sowjetische Besetzung im Ruhestand. Die Besatzung der Sowjets überlebt er nicht, da er sich erschießt um einem Verhör durch die GPU zu entgehen.

Autor: Linus Deitermann

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