Estland

Estland

Arnold Rüütel 1990 – 1992:

Arnold Rüütel – Laulupidu 2009 (crop) [Attribution-Share Alike 2.0 Generic] Author: Egon Tintse http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_R%C3%BC%C3%BCtel_-_Laulupidu_2009_%28crop%29.jpg

Dies ist der letzte KP-Chef der estnischen SSR.

Estland ist eines der Hauptopfer Stalins in der Nachkriegszeit. Durch Krieg, Flucht in den Westen und Deportationen reduziert sich die Bevölkerung Estlands von 1940 bis 1950 um 20%. Mit der Entstalinisierung unter Chruschtschow geht es wieder aufwärts und ab Mitte der 60er ist Estland eine SSR wie die anderen auch. Estland geht also bis zur Perestroika keine besondere Entwicklung innerhalb der Sowjetunion.

Als die Sowjetunion am zerfallen ist, kommt in Estland eine Unabhängigkeitsbewegung auf. Diese ist friedlich und wird von der Parteiführung unter Rüütel, der 1983 Chef des estnischen KP wird, unterstützt. Der Höhepunkt des Protests ist 1988 als 300.000 Esten die estnische Nationalhymne singen. Man nennt daher die Abspaltung Estlands von der UdSSR „Singende Revolution“.

1990 erklärt Rüütel die Unabhängigkeit Estlands. Er bleibt provisorisch Staatsoberhaupt des unabhängigen Estlands, nennt sich aber nicht mehr Kommunist.

Da Estland ja immer noch von den westlichen Staaten anerkannt ist, wird kein neuer Staat ausgerufen, sondern eine Bewegung initiiert die die Esten auffordert die estnische Staatsbürgerschaft aufzunehmen. Auch Rüütel tut dies und schon 1990 haben 900.000 Esten die Staatsbürgerschaft angenommen. Es werden Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung durchgeführt. Diese Versammlung arbeitet bis 1992 eine bürgerliche Verfassung aus nach der dann gewählt wird. Bei der Verfassung wird an die 20er angeknüpft und den Minderheiten Rechte eingeräumt. Russisch bleibt damit Amtssprache und Estland bleiben infolge Auseinandersetzungen wie in Lettland und Litauen erspart. So bleiben die meisten Russen, die sich dort während der sowjetischen Zeit angesiedelt haben oder schon vorher da waren auch nach 1990 in Estland. Estland hat auch deshalb heute von allen ehemaligen Sowjetrepubliken prozentual den höchsten Anteil an Russen (abgesehen von Russland selbst natürlich).

1991 wird ein Referendum über die Unabhängigkeit abgehalten, was Irritationen hervorruft, da Estland ja aus Sicht der Unabhängigkeitsbewegung noch existiert. Es wird trotzdem angenommen.

Nach dem Scheitern des Augustputsches sichert Russland zu die sowjetischen/russischen Truppen abzuziehen, was bis 1994 passiert. Anders als in Lettland und Litauen greift die Rote Armee oder der KGB in Estland in keiner Form ein.

1992 gibt es somit die erste gewählte postsowjetische Regierung in Estland und der Umbau zum neoliberalen NATO- und EU-Mitglied kann beginnen.

Rüütel bleibt politisch aktiv. Er hat von 2001 bis 2006 das zeremonielle Amt des Präsidenten inne, muss aber dann eine erneute Kandidatur zurückziehen, weil auffällt, dass er mal Mitglied der Kommunistischen Partei war.

Autor: Linus Deitermann

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>