Somalia

Somalia (1896 - 1920)

السيد محمد بن عبد الله حسان Sayyīd Muhammad `Abd Allāh al-Hasan 1896 – 1920:

Sayyid Mohammed Abdullah Hassan [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sayyid_Mohammed_Abdullah_Hassan.jpeg

Dieses ostafrikanische Land war lange Zeit ein Zentrum des arabischen Weltreichs. Mogadischu ist im 8.Jh. der wichtigste Handelsplatz für Sklaven aus Afrika. Mit dem Niedergang der weltweiten arabischen Dominanz fällt Somalia unter die Kontrolle des Osmanische Reichs, das es in einen Krieg mit Äthiopien treibt, in dem Somalis einen Genozid begehen. Die Portugiesen unterstützen in diesem Krieg die Äthiopier und zerschlagen infolge den somalischen Zentralstaat. Bis Ende des 19.Jh. herrschen in Somalia chaotische Zustände. Einige Gebiete fallen an Äthiopien, andere werden von jemenitischen Adeligen kontrolliert, die meisten aber sind ohne jegliche Ordnung, bzw. Schauplatz von Fehden unterschiedlicher Clans. Das Land ist zerstückelt und immer wieder Opfer portugiesischer Raubüberfälle. Auch aus anderen Ländern kommen Sklavenjäger.

Ende des 19.Jh. wird Somalia aufgeteilt, so wie es auch heute noch, bzw. wieder besteht. Die äthiopischen Besitzungen werden international anerkannt und abgesichert und den Rest teilen Europäer unter sich auf. Es sind dies Franzosen (heute Dschibuti), Italiener (heute der nicht funktionierende Staat Somalia) und Briten (heute Somaliland).

Grund für die Kolonisierung ist die Eröffnung des Suezkanals und die damit verbundene Verschiebung der Handelsrouten, die einen sicheren Seeweg durch das Rote Meer an der Küste Somalias vorbei notwendig macht. Die Idee kolonisiert zu werden gefällt den Somalis nicht und es wird erstmals seit vielen Jahrhunderten eine einigermaßen einige politische Ordnung errichtet. Dies erreicht man 1896 unter dem Dichter, islamischen Geistlichen und Militär Sayyid, von den Briten „Mad Mullah“ genannt. Durch geschickte religiös gefärbte antiimperialistische Aktion und Agitation gelingt es diesem die Bevölkerung des Hinterlands hinter sich zu bringen, die Clans zu entmachten und den Europäern, die Somalia so schön friedlich unter sich aufgeteilt haben, eine starke Streitmacht entgegen zu stellen. Die Kämpfe beginnen in Äthiopien, das zu dieser Zeit eine Marionette der Briten ist. Heftige Kämpfe im äthiopisch besetzten Teil Somalias enden 1902 in einem Patt. Äthiopien gelingt es die Kontrolle über die somalischen Gebiete zu erhalten, kann sie aber nicht vergrößern. 7000 äthiopische und britische Soldaten fallen, was die Herren in London so sehr erschreckt, dass sie dem Führer der Somalis seinen Spitznamen verpassen.

Dieser halbe Erfolg Sayyids ermöglicht ihm Unterstützung aus Jemen zu bekommen. Es werden rege Handelsbeziehungen aufgenommen und Somalia blüht in begrenztem Rahmen auf. Straßen, mehrere Häfen und eine neue Hauptstadt werden gebaut. Die Wirtschaft des Landes ist vollständig unter Kontrolle des Staats. Es handelt sich um eine straff geführte geplante Kriegswirtschaft.

Franzosen, Italiener und Briten bilden nun eine Allianz und versuchen Somalia unter Kontrolle zu kriegen. Wieder unterstützt von Äthiopien gelingt es 1904 Sayyid zurückzuschlagen, aber nicht endgültig zu besiegen. Er und seine Armee treiben noch bis 1914 ihr Unwesen und verhindern, dass die Europäer das Land unter Kontrolle kriegen. Der Erste Weltkrieg spielt Sayyid in die Karten. Ihm selbst ist dieser völlig wurscht, aber die Briten, Franzosen und Italiener sind woanders gebunden und so kann Sayyid seine Herrschaft stabilisieren und ausbauen. Er knüpft Kontakte zu Ägyptern, die im Weltkrieg sowohl Osmanen, als auch Briten bekämpfen und versuchen den Krieg zur Erlangung der Unabhängigkeit zu nutzen. Es sind dies die Kräfte, die TE Lawrence eben nicht geeint oder unterworfen hat. Es werden Pläne zur Wiederbelebung eines arabischen Großreichs entwickelt, die im Westen als Aufruf „alle Christen ins Meer zu treiben“ dargestellt werden.

Nach dem britischen Sieg im Weltkrieg schlägt das Empire in Somalia erbarmungslos zu und vernichtet den Staat der Somalis durch Luftangriffe. Hiergegen gibt es keine Möglichkeit der Verteidigung für Sayyid. Den Luftangriffen und anderen Massakern der Briten fallen 2/3 der 30.000 Bewohner des Staates unter Sayyid zum Opfer.

Sayyid gelingt die Flucht, allerdings stirbt er kurze Zeit später, wohl an Malaria. Er gilt heute in Somalia als Vater der Nation und darüber hinaus in ganz Arabien und Afrika als Held des antiimperialistischen Widerstands. Die Kämpfe des frühen 20.Jh. sind Grundlage für viele literarische und cineastische Werke Arabiens und Afrikas, auch die Briten haben einige Gruselgeschichten über ihn hervorgebracht.

Autor: Linus Deitermann

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