Somalia

ICU

لشيخ حسن طاهر أويس Hassan Dahir Aweys 1994 – 2013:

Dieser islamische Geistliche und ehemalige Oberst ist ein Veteran des Ogadenkriegs. Im Zuge des Kriegs gegen Barre wendet er sich von diesem ab und ist beteiligt am Aufbau einer islamistischen Terrororganisation. Diese Gruppe beteiligt sich am Kampf gegen Barre und hat Verbindungen zum saudischen Königshaus. Es handelt sich also um Islamisten, die den Westen repräsentieren.

Als in den ersten Jahren nach dem Sturz Barres die USA versucht Somalia zu besetzen, spaltet sich die Terrorgruppe in einen die USA unterstützenden und einen die USA bekämpfenden Teil. Aweys ist die führende Figur der Gegner der USA. Er schließt sich Aidid an und ist einer der Helden von der Schlacht von Mogadischu 1993. Neben Aidid wird Aweys die führende Figur in den 90ern in den südlichen 2/3 Somalias. Die Beiden teilen das von ihnen kontrollierte Gebiet unter sich auf. Hierfür gründet Aweys 1994 die Islamische Union (IAIA).

Als Aidid stirbt und sein republikanischer Sohn die Clanführung übernimmt, kommt es zu heftigen Kämpfen, bei den Aweys zwar seine Machtbasis ausbauen kann, die jedoch insgesamt dazu führen, dass nach dem Sieg über die USA keine stabile Ordnung in Somalia entsteht. Fehden zwischen verschiedenen Clans tun ihr übriges dazu.

1996 marschiert Äthiopien in Somalia ein und bekämpft gemeinsam mit dem US-Amerikaner die IAIA. Die IAIA verliert dadurch den Großteil ihrer Gebiete. Aweys kann nun erstmal kaum noch in Somalia tätig werden und wendet sich dem internationalen Terrorismus zu. Er organisiert die Anschläge von Nairobi und Dar es Salaam. Zudem intensiviert er die Kontakte zu saudischen Adeligen. Auch zur Regierung von Eritrea baut er Kontakte auf. Aweys will offensichtlich eine breite antiwestliche Allianz aufbauen. Das funktioniert und 1999 können die Äthiopier vertrieben werden.

Nun ändert er seine Strategie. Anstatt wie Dutzende andere auch zu versuchen militärisch mithilfe von Clans Kontrolle über das Land zu bekommen, setzt er auf politische Mittel. Er ruft die Bewegung der islamischen Gerichte (ICU) ins Leben. Überall im Land werden Gerichte gebildet, die entsprechend der Scharia urteilen und so die Rechtlosigkeit beenden und damit den Grundstein für einen somalischen Gottesstaat bilden sollen. Militärischen Auseinandersetzungen versucht Aweys nun weitgehend aus dem Weg zu gehen, wichtiger als Siege über irgendwelche Clanführer ist es Einfluss über das tägliche Leben zu bekommen. Die Strategie geht auf. Bis 2004 ist Aweys der Mensch, der die größten Gebiete Somalias einschließlich wesentlicher Teile Mogadischus kontrolliert.

2004 erkennt die „Übergangsregierung“ die Legitimität der von Aweys gebildeten Gerichte an. Dieser unterstützt nun die Regierung, bzw. nutzt diese zur Erweiterung seiner Machtbasis. Er bekommt dadurch erstens die Möglichkeit weitere Gerichte zu bilden und zweitens Zugang zu Entwicklungsgeldern. Anfang 2006 bricht Aweys mit der „Übergangsregierung“ und bringt Mogadischu vollständig unter seine Kontrolle. Der Flughafen wird wieder eröffnet und Handelsbeziehungen zu verschiedenen Staaten aufgenommen. So wird Somalia beispielsweise der größte Lieferant von Dosenfisch für Tansania. Es geht spürbar aufwärts mit dem Land.

Die teilweise Beendigung der Rechtlosigkeit sorgt dafür, dass Entführungen und Räubereien nur noch schwer möglich sind (Kidnappern, Räubern und auch der Korruption Überführten wird konsequent der Kopf abgehackt) und die organisierte Kriminalität muss sich deshalb zu großen Teilen vom somalischen Festland zurückziehen. Sie fahren auf das Meer, wo ja recht viele Schiffe unterwegs sind. Die Piraterie vor Somalia wird so ein ernsthaftes Problem für den internationalen Seehandel. Piraten werden zwar von Aweys auch nicht geduldet und gefangen genommene Piraten ebenfalls hingerichtet, ein besonderes Anliegen ist ihm die Pirateriebekämpfung aber nicht.

Neben der Einrichtung eines Gerichtswesens sorgt die ICU für das Verbot von Zigaretten und Kath und verhindert die Verteilung von Hungerhilfe (die 80er haben in Somalia offensichtlich zu einer großen politischen Bildung geführt). Auch ein Sozialwesen wird eingerichtet, das Kriegsinvaliden und Witwen zu Gute kommt. Die ICU weist in ihrer Vorgehensweise und auch in ihrem Erfolg große Ähnlichkeiten mit der Taliban in Afghanistan und der Hamas in Palästina auf. Einige Analysten gehen sogar davon aus, dass diese drei Organisationen vernetzt sind. In der Propaganda heißt das dann internationales Terrornetzwerk Al-Qaida.

Die Gewinne aus dem Handel gehen nicht in Richtung Westen, weshalb Maßnahmen gegen die beginnende Stabilisierung eingeleitet werden. Erstmal wird wieder Äthiopien vorgeschickt, die ein weiteres Mal in Somalia einmarschieren. Aweys ruft den Heiligen Krieg gegen Äthiopien aus. Seit Dezember 2006 ist Mogadischu heftig umkämpft zwischen Aweys, der bis heute große Teile des ebenfalls umkämpften Hinterlands kontrolliert und äthiopischen Truppen, die seit 2008 von Soldaten einer durch die UN gedeckten AU-Mission unter Führung Ugandas unterstützt werden. Im Zuge dieser Kämpfe flieht die Mehrheit der Einwohner aus Mogadischu. Aweys hat mit der Islamischen Partei (Shabaab) eine neue Organisation gegründet, die einen Großteil der Gegner der „Übergangsregierung“ vereint und von Eritrea unterstützt wird. Diese Organisation allerdings wird 2013 durch kenianische Militäreinheiten in mehreren Schlachten geschlagen. Shabaab zerfällt dabei. Drei Teile gehen aus ihr hervor. Ein Teil bildet die Unterstützer für die kenianischen Besatzer, ein anderer Teil bekämpft diese und ein dritte kommt ins Gefängnis. Aweys gehört zum dritten Teil. Man wird sehen wie lange er dort bleibt, er genießt nach wie vor einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung.

Autor: Linus Deitermann

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