Somalia

Somalia

Sharif Sheikh Ahmed شيخ شريف شيخ أحمد‎ 2009 – 2012:

Sharif Sheikh Ahmed, 12th AU Summit, 090202-N-0506A-337-2 [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sharif_Sheikh_Ahmed,_12th_AU_Summit,_090202-N-0506A-337-2.jpg

Dieser Scheich genoss eine klassische islamische Ausbildung mit Studien im Sudan, Ägypten und Libyen. Er entscheidet sich allerdings nicht für eine religiöse Laufbahn sondern für eine juristische. In Somalia schließt er sich dann auch konsequenterweise der ICU (Islamic Court Union) an. Hier entwickelt er sich zu einem engen Vertrauten von Aweys. Ziel der ICU ist es die kriminellen Banden einzufangen und mafiöse Erpressungsstrukturen aufzubrechen. Das gelingt recht gut, sodass die Entführungen im Inland aufhören. Die kriminellen Elemente verlegen ihr Engagement danach mehr in Richtung Küste und auf das Meer und werden bekannt als Piraten. Das Prinzip ist hier das gleiche. Die Piraten versuchen etwas wertvolles in ihre Gewalt zu bekommen und dafür dann Lösegeld zu verlangen. Das vorherige Geschäftsmodell, ein Schiff zu kapern, die Besatzung umzubringen und dann möglichst viel der Ladung des Schiffes zu verkaufen, geht unter. Der ICU bekommt große Teile Mogadischus und den Süden unter Kontrolle. Ahmed versucht nun internationale Unterstützung zu bekommen. Er denkt vor allem an Libyen und den Sudan. Aber beide Länder haben eigene Probleme. Ein Treffen mit der Afrikanischen Union in Addis Abeba scheitert, weil Ahmed den Äthiopiern vorwirft, seit 100 Jahren immer wieder Somalia zu überfallen. Als die äthiopische Delegation daraufhin behauptet, derzeit gäbe es keine Truppen von Äthiopien in Somalia, reist Ahmed wütend ab. Verarschen kann er sich wohl alleine. Die nicht vorhandenen äthiopischen Truppen bringen dann die ICU in starke Bedrängnis. Die ICU zerfällt, in einen Teil der ohne Hilfe des Ausland weiter um die Vorherrschaft in Somalia kämpfen will (Aweys) und einen Teil der mit den USA (und der UN, EU) gegen die Äthiopier vorgehen will (Ahmed). Ahmed verliert den Machtkampf und muss von Mogadischu nach Kenia fliehen. Dort wird sein Angebot der Zusammenarbeit angenommen und er kann für das Präsidentenamt der Übergangsregierung kandidieren. Seine alten Gegner (Puntland) sind zwar dagegen, aber das Parlament wählt ihn 2009 zum Präsidenten. Der andere Teil der ICU, der sich mittlerweile al Shabaab nennt, verweigert ihm sofort die Zusammenarbeit. Die Hoffnung des Westens er könne gemäßigte Islamisten auf die Seite der Übergangsregierung ziehen, erfüllt sich nicht. Ahmed merkt recht schnell, dass er nicht gegen den Willen der USA (UN, EU) handeln kann. So gelingt es ihm nicht, einen von der UN vorgeschlagenen Ministerpräsidenten abzusetzen. Er unterschreibt halt alles, was USA, EU oder UN ihm vorlegt. Den Ausbau des internationalen Kampfes gegen die Piraten, die Sicherung der Abbaurecht für vermutete Gas- und Ölvorkommen und so weiter.Auch das Parlament unterstützt ihn eher selten. Puntland fängt in seiner Regierungszeit an, Verträge mit dem Ausland zu schließen und entwickelt sich langsam zum besseren Ansprechpartner für den Westen. Die EU hat Programme für den Aufbau von Puntland in fast allen Bereichen. Ein schönes neues Gefängnis ist schon gebaut.

Ahmed entschließt sich augenscheinlich zunächst seine alten Freunde zu bekämpfen. Er stimmt zu, dass Kenia den Süden von Somalia besetzt und derzeit gibt es eine Frontlinie im Süden, an der sich Kenia und al Shabaab direkt gegenüber stehen. Mit dem Fall der Hafenstadt Kismaayo wird ein wesentlicher Rückhalt von al Shabaab gebrochen. Nach diesem Sieg nennen sich die kenianischen Truppen AMISON und werden wohl für länger bleiben. Al Shabaab geht in den Untergrund und führt einen Partisanenkrieg. Auch versucht Ahmed Mogadischu mit Hilfe von AMISON unter seine Kontrolle zu bringen. Dass dies gelungen sei, verkündet er alle paar Monate. Aber es gibt immer wieder Kämpfe in den Vororten und fast jeden Tag Anschläge in der Innenstadt. Einem solchen bei der Wiedereröffnung eines Theaters entgeht Ahmed nur knapp. Etwas später wird sein Konvoi bei der Fahrt in einen “befreiten” Vorort angegriffen.

2012 wird Ahmed etwas überraschend als Präsident abgesetzt. Er ist damit der letzte “Übergangspräsident” Somalis. Ab 2012 gibt es neue echte Präsidenten, die aber auch nicht mehr Kontrolle haben. Bis heute ist Ahmed nicht gegen die neue Regierung aufgetreten, trotz seiner Abwahl.

Autor: Markus

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