Somalia

Somalia

آدم عبد الله عثمان دار Aden Abdulle Osman Daar 1960 – 1967:

Aden Abdullah Osman Daar copyright: Romanian Communism Online Photo Collection under the digital ID 36156X7X9 http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aden_Abdullah_Osman_Daar.JPG

Somalia bleibt auch in den 30ern und 40ern umkämpft. Die Italiener streben nach der Eroberung ganz Somalias, Kenias und Äthiopiens und fallen in diese Länder ein. Die Briten wollen ihr Kolonialreich nicht aufgeben und schlagen deshalb zurück. Der Zweite Weltkrieg endet mit der britischen Besetzung Äthiopiens und ganz Somalias. Die USA will aber kein Wiedererstarken der Briten zulassen und sorgt dafür, dass der Vorkriegszustand wiederhergestellt wird. Äthiopien bleibt somit unabhängig und Somalia zerschlagen und von drei europäischen Staaten kolonisiert. Auch die Italiener holt man zurück. Es ist ja auch nicht so dass irgendwas passiert wäre, was die italienischen Ansprüche delegitimieren würde.

Jedenfalls vergehen so noch mal 15 Jahre bis Somalia in die Unabhängigkeit entlassen wird. In dieser Zeit ist Britisch-Somaliland ein von London kontrollierter Apartheidstaat und Italienisch-Somaliland ein UN-Protektorat mit Autonomieregierung. Die Franzosen sind legal liberaler als die Briten und halten auch Wahlen ab. Bei diesen Wahlen sorgen aber die Söldner der Fremdenlegion dafür, dass richtig gewählt wird, bzw. eher dafür dass die Falschen (die Somalis) gar nicht erst in die Wahllokale kommen.

In den 50ern zerschlagen die Briten Somalia weiter, indem sie einige Gebiete an Äthiopien verschenken. Als die äthiopische Monarchie dann allerdings anfängt somalische Nomaden zu massakrieren und es deshalb zu Unruhen in Britisch-Somaliland kommt, kaufen die Briten Äthiopien die Gebiete teilweise wieder ab. Die Grenze bleibt umstritten und nach der Unabhängigkeit kommt es hier zu Kämpfen. Zusätzlich wird noch ein Referendum im Süden abgehalten über einen möglichen Beitritt zu Kenia. Die Somalis entscheiden sich mit deutlicher Mehrheit (über 80%) dafür bei Somalia zu bleiben, also wird der Landstrich kenianisch. Ein weiterer Krisenherd für die postkoloniale Zeit.

1958 werden in den drei Kolonien Referenden über die Unabhängigkeit abgehalten, im italienischen und britischen Teil will man ein einiges unabhängiges Somalia, im französischen Teil gibt es zu viele Söldner, also bleibt Dschibuti bei Frankreich. Erst 1977 wird Dschibuti selbstständig.

Britisch- und Italienisch-Somaliland werden 1960 gemeinsam als Republik Somalia unabhängig. Dies kann das UK guten Gewissens zulassen, es hat schließlich alles in seiner Macht stehende getan um eine wie auch immer geartete Stabilität so schwer wie möglich zu machen.

Erster Präsident wird der Führer der Unabhängigkeitsbewegung in Britisch-Somaliland. Es wird eine demokratische Verfassung geschrieben und per Referendum bestätigt. In freien Wahlen wird daraufhin Daar als Präsident bestätigt.

Daar versucht eine auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft zu errichten. Die zu Kolonialzeit bestehenden Plantagen werden deshalb Schritt für Schritt aufgelöst und ersetzt durch somalische Landwirtschaftsbetriebe. Zusätzlich baut er die Infrastruktur aus. Die Armut sinkt so. Es ist dies sicherlich kein radikales oder gar sozialistisches Programm, aber die Westeuropäer sind unzufrieden mit der Entwicklung Somalias.

Das wohl wichtigste Ziel Daars ist die Vereinigung Somalias. Er erhebt deshalb Forderungen an Kenia, Äthiopien und Frankreich. Unterstützt wird er dabei nur von den linken Regierungen in Afrika. Daar versucht zusätzlich die Sowjetunion auf die Seite Somalias zu ziehen, weshalb der Ministerpräsident, ein alter Kollaborateur, zurücktritt.

Die Sowjetunion könnte hier tatsächlich helfen. Sowohl um zu verhindern, dass Somalia bei seinen Entwicklungsbemühungen in die Schuldenzange gerät, als auch um die Entkolonisierung Dschibutis voranzutreiben. Aber das passiert nicht und so werden die guten Ansätze in der Wirtschaftspolitik nach und nach durch die Kreditgeber umgelenkt. Gleichzeitig wird von den Briten und Italienern hinter dem zurückgetretenen Ministerpräsidenten eine finanzstarke Opposition aufgebaut. 1967 verliert Daar die Parlamentsmehrheit. Damit kann er nicht mehr Regierungsfähigkeit und Demokratie aufrecht erhalten. Daar tritt zurück und zieht sich nach der Machtergreifung Siad Barres ins Privatleben zurück. Er lebt bis zu seinem Tod 2007 in Somalia als selbstversorgender Bauer. Der Flughafen von Mogadischu ist heute nach ihm benannt.

Autor: Linus Deitermann

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