Somalia

Somalia

Mohamed Siad Barre محمّد زياد بري‎ 1969 – 1991:

Siad Barre Mogadishu poster cropped [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Siad_Barre_Mogadishu_poster_cropped.jpg?uselang=de

Sein Geburtsort ist unbekannt, nach eigenen Angaben ist er als Hirtenjunge aufgewachsen. Im Rahmen des Zweiten Weltkriegs landet er jedenfalls bei der britischen Armee, wo er eine fantastische Karriere macht und den höchsten Rang erringt, den die Briten für nicht Arier Briten zulassen. Nach dem Krieg und nach Rückkehr der alten Kolonialmächte geht Barre nach Italien und wird dort Carabinieri. Zur Unabhängigkeit kehrt er zurück und steigt in der somalischen Armee schließlich bis zum Befehlshaber auf.

Nach dem offensichtlichen Scheitern der bürgerlichen Demokratie und der Gefahr, dass das Land im Chaos versinkt, nimmt er seine Armee und ergreift die Macht. Dies geht unblutig vonstatten. Es ist daher zu vermuten, dass die Bevölkerung im Wesentlichen hinter diesem Putsch steht. Barre leitet zunächst Maßnahmen ein, die sich für einen Diktator gehören. Er verbietet alle Parteien, löst das Parlament auf, richtet eine Geheimpolizei ein und steckt Menschen, die wagen Widerspruch zu äußern, ins Gefängnis.

Nun aber verkündet er den wissenschaftlichen Sozialismus. Er sieht sich in einer Linie mit Marx und Lenin. Ein Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion wird geschlossen. Es folgen auch die entsprechenden Maßnahmen: Die Schlüsselindustrie wird verstaatlich, der Staat übernimmt die Kontrolle über die Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten und verhindert so die Kapitalverlagerung in die imperialistischen Staaten. Barre baut ein Bildungswesen auf und verkündet die Gleichberechtigung von Mann und Frau, was in Somalia so etwas wie die Abschaffung der Beschneidung von Mädchen bedeutet. Er versucht das Clansystem zu zerschlagen, schon die Nennung eines Clannamens führt zu Gefängnisstrafen. Alle Maßnahmen funktionieren zunächst und es gibt im Land wenig Widerstand. Als Somalia von der Dürrekatastrophe getroffen wird, gelingt es Barre eine Hungersnot zu verhindern. Er etabliert ein System mit Kleinbauern und landwirtschaftlichem Arbeitsdienst. Im ganzen Land werden Orientierungszentren eingerichtet. Somalia übernimmt den Vorsitz der Arabischen Liga.

Möglicherweise hätte sich Somalia zu einem erfolgreichen sozialistischen Staat entwickeln können, aber dies passiert nicht. Zum einen ist Somalia für die Sowjetunion nicht so wichtig, wie es beispielsweise Cuba in den sechziger Jahren ist. Geopolitisch erscheint Äthiopien wichtiger. Somalia bekommt keine Weltöffentlichkeit, die Erfolge werden kaum wahrgenommen.

Barre sieht sich zurecht als Araber, aber dies verhindert ein Zusammenwirken mit sozialistischen Staaten in Afrika. Somalia entwickelt hier keine Vorbildfunktion.

Als die fortschrittlichen Kräfte in der arabischen Welt schließlich in den siebziger Jahren vollständig eliminiert werden, beginnt Barre sich von der sozialistischen Idee zu lösen. Es gibt erste Anzeichen für einen Richtungswechsel, z.B. lässt Barre 1977 die Stürmung eines von Palästinensern entführten westdeutschen Flugzeugs durch eine westdeutsche Antiterroreinheit zu.

Zum endgültigen Bruch mit der Sowjetunion kommt es mit dem Ogadenkrieg. Barre überfällt, zunächst mit Zustimmung der Sowjetunion, Äthiopien, um ein Gebiet zu erobern, was von den Kolonialherren mal willkürlich von Somalia abgetrennt wurde. Während des Krieges stürzt der äthiopische Kaiser und eine sozialistische Regierung übernimmt. Barre macht den Fehler nicht sofort einen Waffenstillstand zu verkünden und die Sowjetunion wechselt die Seiten.

Barre verliert den Krieg und wirft sich in die Arme der USA. Die westliche Zivilisation pumpt nun “Entwicklungshilfe” nach Somalia. Hier ist nun deutlich zu sehen, was die Unterstützung des Westens für ein Land des Trikont bedeutet. Eine Bildungspolitik wird nicht mehr betrieben. Landwirtschaft und das bisschen Industrie wird privatisiert. Dadurch dass nun für das internationale Kapital produziert wird und nicht mehr für das gesamte Volk kommt es in den achtziger Jahren zu Hungersnöten. Barre interessiert sich gar nicht mehr für das gesamte Volk sondern nur noch für seinen Clan. Es kommt also zu einer Elitenbildung, zu Korruption und zu Wolkenkratzern. Das noch von der Sowjetunion eingeführte Einparteiensystem bleibt bestehen, die Arbeit der Geheimpolizei wird sogar ausgeweitet.

Das Land bleibt aber nicht stabil. Die anderen Clans versuchen ihr Recht durchzusetzen und langsam und trotz militärischer Unterstützung der USA verliert Barre die Kontrolle über das Land, bis er schließlich nur noch Mogadischu beherrscht. Im übrigen Land herrscht Bürgerkrieg.

Seine Regentschaft endet mit dem Fall von Mogadischu 1991. Eine kurze Zeit nimmt er mit den Resten der Armee noch am Bürgerkrieg teil bis er schließlich nach Kenia vertrieben wird. Er stirbt wenig später in Nigeria an einem Herzinfarkt.

Autor: Markus

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