Somalia

Somalia

علي مهدي محمد Ali Mahdi Mohamed 1991 – 1995:

Dies ist der Vorsitzende eines Bundes von verschiedenen Clans, der führend beteiligt ist am gewaltsamen Sturz von Barre. Es ist dies der in Rom gegründete Vereinigte Somalische Kongress (USC). Nachdem Mogadischu eingenommen ist, erklärt sich Ali zum Interimspräsidenten. Das wird von den anderen Clanführern des USC nicht akzeptiert, was die Organisation sprengt und es bricht ein Bürgerkrieg aus. Damit ist keine zentralstaatliche Ordnung mehr vorhanden.

Mogadischu und der Süden des Landes ist heftig umkämpft. Die Hauptstadt wird so geteilt und in den nächsten Jahren größtenteils zerstört. In Somaliland und Puntland, den beiden Regionen an der Nordküste, gibt es auch Kämpfe. Hier entsteht allerdings recht schnell eine relativ stabile Ordnung, die wir dort behandeln.

Der Zusammenbruch der Zentralstaatlichkeit führt zur Wiederkehr von traditioneller Lebensweise, was ein feudales, patriarchales Clanwesen bedeutet. Das Land fällt in einen Rechtszustand zurück, der seit Jahrhunderten überwunden schien. Recht gilt nur für die einzelnen Familien (Clans) ausgeübt vom Familienoberhaupt (somalisches Gewohnheitsrecht Xeer). Der große Nachteil besteht darin, dass außerhalb der Clans das Recht nicht gilt, es also kein überregional einheitliches Recht gibt und es Leute gibt, die außerhalb jeglicher Rechtsordnung stehen.

1992 schaltet sich die UN ein, erklärt ein Waffenembargo gegen Somalia, sowie einen Waffenstillstand und entsendet 50 Blauhelme. Der Waffenstillstand ist von der UN in Dschibuti verkündet worden, die Konfliktparteien haben ihm nicht alle zugestimmt. Und auch die Somalis, die da in Dschibuti mit am Tisch gesessen haben, haben nicht wirklich Kontrolle über irgendwas. Daher funktioniert das mit dem Waffenstillstand nicht. Es kommt zu einer zweiten UN-Mission, diesmal bestehend aus 40.000 Mann Personal, die den Waffenstillstand durchsetzen sollen. Auch das klappt nicht, also wird eine dritte Resolution verabschiedet, die einen Militäreinsatz unter Führung der USA vorsieht, der „mit allen Mitteln“ für Frieden sorgen soll. Folge des Einsatzes ist, dass die Häuser, die nach den Kämpfen zwischen 1987 und 1992 noch standen, nun nur noch Ruinen sind. Stabilität in irgendeiner Form wird nicht erreicht. Bei der Schlacht von Mogadischu von 1993 erleidet die USA eine vernichtende Niederlage. Geschätzte 1000 Tote Somalis reichen nicht um die Stadt zu erobern. 2/3 der Einsatztruppen werden getötet oder verwundet. Mogadischu lässt sich nicht besetzen. Nach Cuba in den 60ern, Vietnam in den 70ern und Libanon in den 80ern ist Somalia in den 90ern die vierte Niederlage der Militärgeschichte der USA. Diese Niederlage ist auch ein Wendepunkt. In den nachfolgenden Kriegen setzt die NATO keine Bodentruppen zur Eroberung mehr ein, sondern bombt zuvor alles kurz und klein. Das machen sie 1993 auch in Mogadischu. Einen zweiten Versuch die Stadt zu erobern gibt es aber erst 2006. Bis 1995 sind nach weiteren Verlusten alle ausländischen Soldaten abgezogen.

Ali mischt in dem ganzen auf Seiten der USA mit und übergibt ihr fast sein gesamtes Waffenarsenal. Er ist der gute Clanführer. Seine stark begrenzte Macht endet mit dem Abzug der internationalen Truppen. Ali nimmt im Laufe der Zeit noch Teil an einigen Konferenzen. 2000 versucht er zum Vorsitzenden der „Übergangsregierung“ zu werden. Scheitert aber. Überraschenderweise erklärt er deshalb der „Übergangsregierung“ nicht den Krieg, sondern unterstützt diese. Heute lebt er in Mogadischu.

Autor: Linus Deitermann

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