Chile

Chile 1910

Emiliano Figueroa Larraín 1910:

Emiliano Figueroa Larraín-2 [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Emiliano_Figueroa_Larra%C3%ADn-2.jpg

Auch dies war ein konservatives Mitglied der Regierung Montt Montt und der dritte Mann im Staat bei dessen Tod. Wichtigste Aufgabe seiner kurzen Präsidentschaft war die Organisation der Feier zur 100-jährigen Unabhängigkeit. Danach übergibt er sein Amt an den Wahlsieger. Leider stirbt Emiliano nicht, sondern ist als Geheimbeauftragter des Militärs unterwegs und bereitet die argentinische Anerkennung des noch kommenden Putsches vor. Nach dem Putsch wird er Marionettenpräsident. Dazu später mehr.

Chile

Chile 1910 – 1915

Ramón Barros Luco 1910 – 1915:Ramón Barros Luco

Abgesehen von der linken Opposition, die sich während seiner Amtszeit spaltet, hat niemand was gegen Barros. Warum das so ist, lässt sich am besten durch seine Regierungserklärung deutlich machen: „99% aller Probleme lösen sich von selbst und das übrige 1% hat keine Lösung“.

Dementsprechend ist Barros nicht als Politiker in die Geschichte eingegangen, sondern als Sandwich. In Chile heißen Sandwichs mit Rind und Käse Barros Luco. Das ist so, weil Ramón täglich so ein Sandwich gegessen hat.

Während der fünf Jahre passiert abseits des Fastfoods nicht viel. Allerdings beginnen die Linken sich besser zu organisieren. Neben der Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei beginnt sich eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung zu formieren. Noch haben wir aber den alten Zustand, dass die Linken nicht eigenständig bei Wahlen antreten und die hungernden Arbeiter sich unkoordiniert totprügeln lassen. Zu der Zeit von Barros sind es jährlich ca. 500 Menschen, die der brachialen Polizeigewalt zum Opfer fallen, womit er eine der mildesten Quoten in der ersten Hälfte des Jahrhunderts hat. Die Repression kann etwas nachlassen, wegen dem Ersten Weltkrieg. An diesem beteiligt sich Chile nicht militärisch, profitiert aber von ihm dadurch dass die beiden wichtigsten Exportgüter Kupfer und Salpeter kriegswichtig sind.

Barros schließt mit den Präsidenten Argentiniens und Brasiliens den ABC-Pakt. Ein um politische und wirtschaftliche Kooperation erweiterter Beistandspakt, der als ein Vorläufer des Cepalismo gelten kann, also nichts linkes oder antiimperialistisches. Die Kooperation bleibt auf niedrigem Niveau, der Imperialismus bleibt dominierend und soll das auch. Eher bietet die günstige Wirtschaftslage während des Kriegs die Möglichkeit den Imperialismus um einen regionalen Kapitalismus zu ergänzen und so denn auch zu stützen und zu stabilisieren.

Barros stirbt 1919 an der Spanischen Grippe.

Chile

Chile 1915 – 1920

Juan Luis Sanfuentes Andonaegui 1915 – 1920:

Juan Luis Sanfuentes [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juan_Luis_Sanfuentes.jpg

Auch dies ein konservativer Politiker, der Minister unter Montt Montt war. 1915 tritt er mit einem Rechtsbündnis bei den Wahlen an und gewinnt nicht, da kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält. In diesem Fall darf in Chile der Kongress entscheiden und dieser wählt ihn zum Präsidenten.

Juan trifft die Entscheidung, dass Chile sich im Ersten Weltkrieg neutral verhalten soll, damit an alle Seiten verkauft werden kann. Es besteht ein hoher Salpeterbedarf, Chile wird reich. Eigentlich nicht, da nur eine Minderheit hiervon profitiert, die Masse hungert. Juan bringt ein paar wenige soziale Regelungen auf den Weg, so eine Arbeitsunfallversicherung und Unterstützung für Schüler. Schließlich führt er die allgemeine Schulpflicht ein, für Südarmerika richtig links.

Dann bricht über Chile eine Katastrophe ein, der Erste Weltkrieg endet. Die folgende Wirtschaftskrise und das Beispiel der russischen Revolution führen zu einer Stärkung der Gewerkschaften und schließlich zu einem Generalstreik. Trotzdem wird gewählt und Juan kann sich nicht durchsetzen.

Chile

Chile 1920 – 1924

Arturo Alessandri Palma 1920 – 1924:

Alessandri Ulk (1932) [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alessandri_Ulk_%281932%29.jpg

Die Wahl dieses langjährigen Oppositionsführer der Demokraten war mit viel Hoffnung verbunden. Sollte doch die Kirche nach mexicanischem Vorbild zurückgedrängt und ein Sozialsystem eingeführt werden.

Tja, wurde nichts draus. Im Februar 1921 bricht der Salpeterpreis mal wieder zusammen. Diesmal endgültig, weil man künstlichen Dünger erfunden hat. Chile stürzt in die bisher größte Krise seiner Geschichte.

Eine Streikwelle der Minenarbeiter durchzieht das Land. Alessandri reagiert wie seine Vorgänger.

Daraufhin brechen Gewerkschaften und Sozialisten mit ihm. Konsequenterweise schließen sich die Sozialisten dann den Komintern an und nennen sich in KP um.

Im Parlament hat Alessandri auch keine Unterstützung. Aufgrund seines demokratischen Wahlprogramms sind Konservative und Militär gegen ihn und boykottieren jede Reform. Als Alessandri versucht wenigstens eine Steuerreform durchzusetzen indem er sie mit einer Diätenerhöhung um 500% verbindet, stürmt das Militär am 3.September 1924 das Parlament.

Es werden Barrikaden gebaut und der Präsidentenpalast belagert. Zusätzlich bildet sich um den Faschisten Ibáñez ein Militärkomitee, das den Rücktritt Alessandris fordert. Sie drohen mit einem Massaker und der Präsident tritt dann auch tatsächlich zurück. Die Militärs übernehmen somit in Gestalt des Generals Altamirano am 11.September (!) die Macht.

Ironischerweise konnte die Unterstützung der Soldaten gegen Alessandri auch deshalb gewonnen werden, weil dieser eine Solderhöhung gegen die Konservativen nicht durchsetzen konnte.

Alessandri geht ins Exil. Er wird aber zurückkehren.

Chile

Chile 1924 – 1925

Luis Altamirano Talavera 1924 – 1925:

Luis Altamirano [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Luis_Altamirano.jpg

Dieser General (Höchster Militär Chiles) kommt zur Macht durch den Putsch am 11. September. Er hat die gleiche Funktion wie später ein Herr Pinochet und dies ist alles kein Zufall. Der CIA wird später eine gewisse historische Ironie beweisen.

Die siegreichen Generäle bilden keine Junta sondern legen die Funktionen in der Regierung fest, daher wird Altamirano rechtswidrig zum Präsidenten. Er löst die demokratischen Institutionen auf, bekämpft den Aufstand und versucht die Wirtschaft anzukurbeln. Alles ziemlich erfolglos, daher beschließen seine Kameraden, es wieder mit dem gewählten Präsidenten zu versuchen. Dieser wird aus dem Exil zurückgeholt.

Über das weitere Schicksal von Altamirano ist leider nichts mehr bekannt. Die Geschichte schweigt über Loser.

Chile

Chile 1925

Pedro Pablo Dartnell Encina 1925:

Dieser General kommt durch einen Putsch gegen die Septemberputschisten an die Macht. Er ist für vier Tage im Januar provisorischer Präsident und beruft dann eine Junta ein, die die Zeit überbrücken soll, bis Alessandri aus dem italienischen Exil zurück ist.

Chile

Chile 1925

Emilio Bello Codecido 1925:

Emilio Bello [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Emilio_Bello.jpg

Bevor Alessandri aus dem faschistischen Italien zurückgekehrt ist, herrscht noch zwei Monate die „Januarjunta“ unter Bello. Das ist nicht der Hund von Alessandri (der heißt Ulk), sondern der Vorzeigerechte Chiles. Seine Aufgabe ist die Rückkehr zur Demokratie im Sinne der Faschisten zu vollziehen.

Die Verfassung, die Alessandri durchbringen soll, wird während der zwei Monate schon ausgearbeitet und Kommunisten und Gewerkschaften stehen massiv dagegen, da sie als pseudodemokratische Kulisse für die Herrschaft des Militärs und Ibáñez erkannt wird.

Anders als Alessandri schafft es Bello, sich auch unter der offenen Herrschaft von Ibáñez zu behaupten. Er wird Minister unter Ibáñez und während Alessandris dritter Amtszeit Botschafter.

Chile

Chile 1925

Arturo Alessandri Palma 1925:

Alessandri Ulk (1932) [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alessandri_Ulk_%281932%29.jpg

Er wird zurückgeholt um dem Putsch einen legalen Anschein zu geben. Dies ist notwendig, da die Kämpfe in Chile weitergehen. Noch hat das Militär die Linken und Aufständischen nicht wirklich dezimiert. Leider kommt es nicht zu einem Sieg der Linken und damit zum Aufbau einer Räterepublik, da die linken Kräfte zu schwach und unorganisiert sind. In der Provinz Antofagasta kommt es zu einem Streik der Minenarbeiter. Während des Streiks wird der britische Besitzer der Mine, der bekannt dafür ist die Arbeiter zu schlagen, Tod aufgefunden. Ein bolivischer Arbeiter wird des Mordes verdächtigt und durch die Polizei ohne Prozess hingerichtet. Daraufhin geht die Gewerkschaftsführung davon aus, dass weitere Repressionen drohen und sie treffen Vorkehrungsmaßnahmen. So werden die Eisenbahnschienen gesprengt um die Ankunft von Soldaten und Streikbrechern zu verhindern. Es kommen trotzdem 40 Soldaten. Diese werden mit Dynamit beschmissen und ihnen ihre Gewehre abgenommen. Nun wird der ganze Ort bewaffnet. Die Arbeiter bilden einen Rat und diskutieren ob sie sich ergeben oder mit anderen Arbeitern der Region zusammenschließen und die Revolution beginnen sollen. Bevor eine Entscheidung gefallen ist, kommt eine zweite Division und stellt mitten in der Nacht Maschinengewehre im Ort auf und tötet jeden den sie vor den Lauf bekommen, darunter auch Kinder. Die Arbeiter verteidigen sich und können 64 Soldaten töten. Wie viele von den Ortsbewohnern sterben, ist unklar, es wird von mindestens 500 Toten ausgegangen. Wer überlebt flieht in die Berge. Dort kommt es zwei Monate später zu einem weiteren Massaker.

Arturo arbeitet eine neue Verfassung aus. Die Verfassung setzt den Präsidenten über das Parlament und setzt damit die Abschaffung der Demokratie rechtlich um. Gleichzeitig wird eine Zentralbank errichtet. Parallel versucht Arturo die Wirtschaft anzukurbeln, in dem er eine Laissez faire Politik des Liberalismus betreibt, heute würde man das Neoliberalismus nennen. Das kann in einer Krisensituation, die durch ein Phänomen außerhalb Chiles (Kunstdünger) ausgelöst wurde nicht funktionieren. Daher droht im Frühling (Südhalbkugel) ein neuer Putsch, dem Arturo mit seinem Rücktritt zuvor kommt. Er wird noch einmal Präsident werden.

Chile

Chile 1925

Luis Barros Borgoño 1925:

Barros Borgoño [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Barros_Borgo%C3%B1o.jpeg

Er ist Vizepräsident als Alessandri zum zweiten Mal zurücktritt und wird daher Präsident. Er war in einigen vorherigen Kabinetten Minister und ist ein Urgestein der Konservativen Partei. Im Jahr 1920 ist er der Gegenkandidat von Alessandri, verliert dort aber knapp. Das sie nun zusammen in der Regierung sitzen zeigt, dass die politischen Unterschiede zwischen Ihnen marginal sind.

In den zwei Monaten seiner Amtszeit hat er keine Macht, diese liegt, wie im Jahre 1925 immer, bei dem Militär. Hier sitzen die Verantwortlichen für die Massaker und die Abschaffung der Demokratie. Dennoch folgt zunächst ein gewählter Präsident.

Chile

Chile 1925 – 1927

Emiliano Figueroa Larraín 1925 – 1927:

Emiliano Figueroa (ropa Embajador) [public domain] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Emiliano_Figueroa_%28ropa_Embajador%29.jpeg

Ihn hatten wir schon mal als Interimspräsidenten. Jetzt ist er „gewählt“ und Ibáñez’ letzte Marionette. Ibáñez ist natürlich weiterhin Kriegsminister, Anfang 1927 wird er auch noch zum Innenminister ernannt. Daraufhin wird Figueroas Bruder, der Obersten Richter auf Veranlassung von Ibáñez verhaftet.

Außerdem zettelt Ibáñez um die öffentliche Ordnung zu erhalten Pogrome gegen Gewerkschaften und Kommunisten an. Tausende Linke werden verhaftet und viele ermordet. Aber auch innerhalb des bürgerlichen Spektrums werden Säuberungsaktionen durchgeführt. Einige Radikale werden verhaftet, manche sogar ermordet. Andere schaffen die Flucht, so auch Alessandri.

Die Lage ist heikel. Die Linken sind stark und die wirtschaftliche Entwicklung unsicher. Deshalb hält es Ibáñez wohl für besser selbst sämtliche relevanten Ämter (Präsident, Chef der Armee und Innenminister) zu übernehmen.

Figueroa wird von Ibáñez immer weiter zurückgedrängt und tritt schließlich zurück. Er wird soweit zurückgedrängt, dass er sich 1928 nicht mal mehr in Chile befindet. Er wird Botschafter in Peru. Kurz vor seinem Tod wird Figueroa noch kurz Präsident der Zentralbank.